Der Schlüssel fiel auf die polierte Holzkommode und schepperte wie ein Gong. Jalousien warfen Streifen Nachmittagslicht auf das weiße Bett. Noch hing der Geruch von Seife und Salz in ihrer Haut, während sie im Meer geschwommen war, an der Praia de Carcavelos, wo die Brandung in ihren Ohren rauschte. Sie duschte schnell, rubbelte sich trocken und schlüpfte in ein leichtes Leinenkleid. Der Abend war warm, der Himmel über der Rua Augusta violett.

Die Bar im Innenhof
Sie fand ihn an der Bar im Innenhof, zwischen Bougainvillea und dem Plätschern eines Springbrunnens. Er lehnte am Tresen, ein Glas Wein in der Hand, im Gespräch mit dem Barkeeper, einem schmalen Mann mit grauen Schläfen. Gabriel – so hatte er sich beim Frühstück vorgestellt. Kanadier, auf einer Künstlerresidenz, mit einer leichten Verbeugung. Jetzt sah er auf, als sie näher kam, und ein Lächeln zog über sein Gesicht.
„Da bist du ja“, sagte er. Seine Stimme klang tief, mit einem leichten Akzent. „Ich dachte schon, du schwimmst noch immer. Oder bis nach Marokko abgetrieben.“
Lara lachte auf. „Fast. Die Strömung war stärker als gedacht. Aber wunderschön.“ Sie ließ sich auf den Barhocker neben ihm fallen und bestellte einen Gin Tonic. Der Barkeeper nickte und drehte sich zu den Flaschen.
„Du siehst gut aus“, sagte Gabriel. „Erholt. Das Meer steht dir.“
Sie spürte seinen Blick auf ihren nackten Armen, den Schultern, wo noch Salzkristalle glitzerten. „Danke. Ein langer Tag. Aber gut.“
Sie redeten, während die Sonne hinter den Dächern versank und der Hof in ein weiches Blau tauchte. Er erzählte von seiner Arbeit – einer Serie von Fotografien über portugiesische Fliesen, Azulejos – wie er die Muster in alten Palästen jagte. Sie hörte zu, ließ den Drink ihre Zunge lösen, und fragte, ob er ihr morgen einen der versteckten Patios zeigen könne, von denen er sprach. Er versprach es mit einer Geste, die wie eine Einladung wirkte.
Als die Dämmerung umschlug, bestellten sie eine Flasche Vinho Verde und teilten eine Schale Oliven. Seine Finger zupften die Kerne aus den Früchten, und sie beobachtete, wie er eine Olive zwischen Daumen und Zeigefinger drehte, bevor er sie in den Mund schob. Eine kleine Geste, aber etwas in ihrem Bauch zog sich zusammen.
„Magst du Oliven?“, fragte er, und seine Augen ruhten auf ihr.
„Ja. Besonders die grünen, mit Mandeln gefüllt.“ Sie nahm eine, biss hinein, spürte den salzigen Geschmack auf der Zunge.
„In Kanada haben wir nicht so gute. Aber hier – alles schmeckt intensiver.“ Er lehnte sich zurück, das Glas in der Hand. „Der Wein, das Licht, die Menschen.“
„Und die Azulejos“, ergänzte sie.
„Vor allem die Azulejos.“ Er lachte leise. „Sie sind wie Geschichten, die man lesen kann, wenn man die Sprache kennt.“
Sie nippte an ihrem Wein, spürte die Kühle der Flasche auf der Haut. „Erzähl mir eine.“
Er stellte das Glas ab, stützte die Ellbogen auf den Tresen. „Es gibt ein Muster, das ‚onda‘ heißt – Welle. Es wiederholt sich, aber nie genau gleich. Wie das Meer. Oder wie …“ Er zögerte. „Wie eine Begegnung.“
Seine Worte hingen in der Luft, und Lara spürte ein Prickeln. Sie senkte den Blick, strich über den Rand ihres Glases. „Hast du heute fotografiert?“
„Ja, in einem Palast aus dem 18. Jahrhundert. Die Fliesen waren von einem Blau, das fast schwarz wirkte, bis das Licht darauf fiel. Dann leuchteten sie.“ Er beugte sich vor, seine Stimme wurde leiser. „Ich wünschte, du wärst dabeigewesen.“
Sie sah auf, traf seinen Blick. „Ich wünschte, ich wäre dabeigewesen.“
Der Barkeeper brachte eine zweite Flasche, und sie tranken weiter. Ihre Hände berührten sich, als sie gleichzeitig nach der Schale griffen. Er ließ seine Finger einen Moment auf ihren liegen, dann zog er sie zurück, aber das Lächeln blieb.
„Spielst du ein Instrument?“, fragte er unvermittelt.
„Klavier. Früher. Jetzt nur noch selten.“
„Ich stelle mir vor, wie du spielst. Deine Finger auf den Tasten. Wahrscheinlich sehr sanft.“
Sie lachte, ein wenig verlegen. „Kommt darauf an, was ich spiele.“
„Was spielst du, wenn du wütend bist?“
„Prokofjew. Oder Bartók.“
„Und wenn du verliebt bist?“
Die Frage überraschte sie. Sie dachte nach, trank einen Schluck. „Chopin. Oder einfach nur Akkorde, ohne Melodie. Nur Klänge.“
Er nickte, als hätte er eine Antwort bekommen. „Ich mag das. Akkorde ohne Melodie. Wie ein Versprechen.“
Stille breitete sich aus, aber nicht unangenehm. Eine Eidechse huschte über die Mauer, und der Springbrunnen plätscherte. Lara spürte, wie die Wärme des Weins ihre Wangen rötete. Sie schob eine Locke hinter das Ohr.
„Bist du müde?“, fragte er.
„Nein. Noch nicht.“
„Gut.“ Er stand auf, reichte ihr die Hand. „Komm, ich zeig dir was.“
Der Gang zum Zimmer
Er führte sie durch einen schmalen Gang, vorbei an einem Springbrunnen, der in der Dunkelheit gluckerte, zu einer gusseisernen Wendeltreppe. Die Stufen knarrten unter ihren Schritten. Oben öffnete er eine Tür zu einem kleinen Dachzimmer. Die Fenster standen offen, und der Wind trug Jasmin herein. In der Mitte stand ein weiß bezogenes Bett, daneben ein Tisch mit einer Lampe, die warmes Licht warf.
„Das ist mein Arbeitszimmer“, sagte er, „wenn ich nicht auf der Jagd bin.“ Er schaltete eine Stehlampe ein, und das Zimmer lag in goldenem Schimmer. An den Wänden hingen Probeabzüge, blaue und weiße Muster, geometrisch und doch fließend.
Lara trat näher, berührte das Papier. „Sie sind wunderschön.“
„Danke.“ Er stand jetzt dicht hinter ihr. Sie spürte die Wärme seines Körpers, bevor er sie berührte. Seine Hand legte sich leicht auf ihre Hüfte, und sie drehte sich um. Sein Gesicht war nah, die Augen dunkel im Halbdunkel.
„Ich habe den ganzen Tag an dich gedacht“, sagte er leise.
„Ich auch“, flüsterte sie, und dann küsste er sie.
Sein Mund war weich und fordernd. Seine Zunge strich über ihre Lippen, und sie öffnete sie, ließ ihn ein. Der Kuss wurde tiefer, fordernder, und seine Hand glitt von ihrer Hüfte zu ihrem Rücken, zog sie an sich. Durch den dünnen Stoff seines Hemdes spürte sie seine Erregung.
Er löste den Kuss, sah sie an. „Lara …“ – ihr Name klang wie eine Frage. Sie antwortete, indem sie die Träger ihres Kleides über die Schultern schob. Das Leinen fiel herab und rieselte an ihrem Körper entlang zu Boden. Sie stand im Lampenschein, nur mit einem schlichten schwarzen Slip bekleidet, die Brüste frei. Ihre Nippel waren hart von der kühlen Luft oder der Erregung.
Gabriel sog scharf die Luft ein. „Mein Gott, du bist schön.“ Er trat näher, strich mit den Fingerspitzen über ihre Schulter, den Hals hinab, bis er ihre Brust berührte. Seine Hand umschloss sie sanft, der Daumen strich über die Spitze, und sie zuckte zusammen, stöhnte leise. Er beugte sich vor, nahm die Spitze in den Mund, und seine Zunge umkreiste sie langsam, während seine Hand die andere Brust massierte.
Sie vergrub ihre Finger in seinem Haar, zog ihn fester an sich. Ein Schauer durchlief sie, als er saugte und leckte, abwechselnd, das Spiel seiner Zunge trieb sie voran. Sie spürte, wie Nässe sich zwischen ihren Beinen sammelte, der Slip klebte an ihrer Haut. Sie wollte ihn spüren, ganz.
„Komm“, sagte sie heiser und zog ihn zum Bett. Er ließ sich von ihr führen, während sie ihm das Hemd aufknöpfte. Die Knöpfe lösten sich leicht, und das weiße Baumwollhemd fiel zu Boden. Sein Oberkörper war braun gebrannt, die Muskeln zeichneten sich ab. Sie legte ihre Handflächen auf seine Brust, spürte sein Herz schlagen, schnell und stark.
„Dich ausziehen“, flüsterte sie, und er nickte, während seine Hände zu ihrem Slip wanderten. Er zog ihn langsam herunter, über Hüften und Schenkel, bis er an ihren Knöcheln hing und sie herausstieg. Sie stand nackt vor ihm, und er sah sie an, als würde er ein Bild aufnehmen: ihre Kurven, die schmale Taille, das dunkle Dreieck zwischen ihren Beinen.
Er öffnete seine Hose, ließ sie zu Boden gleiten, dann die Boxershorts. Sein Glied sprang frei, hart, die Eichel leicht glänzend. Lara streckte die Hand aus, umfasste ihn, und er stöhnte leise auf. Sie strich auf und ab, spürte die Seidigkeit der Haut unter ihren Fingern, die Wärme, die von ihm ausging.
„Lass mich dich lecken“, sagte er, und die Worte trafen sie direkt im Zentrum ihrer Lust. Sie nickte, ließ sich rückwärts aufs Bett sinken, die Beine angewinkelt. Er kniete sich zwischen ihre Schenkel, schob sie sanft auseinander. Sein Atem streifte ihre Schamlippen, und dann spürte sie seine Zunge: erst leicht, dann forschend, die Spitze, die über die empfindliche Stelle fuhr.
Sie keuchte auf, griff nach dem Laken. Er arbeitete sich tiefer, seine Zunge tauchte in sie ein, mal flach, mal spitz, umkreiste ihre Klitoris, sog daran. Sie hörte sich selbst stöhnen, ein Geräusch, das sie kaum erkannte. Seine Hände hielten ihre Hüften fest, während er sie leckte, als wäre sie eine Delikatesse, die es zu kosten galt. Sie spürte, wie die Spannung in ihr anstieg, ein Ziehen, das sich ausweitete, und sie bog den Rücken durch, presste sich gegen seinen Mund.
„Ja, genau so“, stöhnte sie, und er antwortete mit einem summenden Laut, der durch sie vibrierte. Sie kam mit einem Schrei, der in der Nacht verklang, ihr Körper zuckte unter seiner Zunge, und er ließ nicht nach, leckte sie durch den Höhepunkt, bis sie zitterte.
Sie lag keuchend da, die Beine zitterten. Er richtete sich auf, wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. „Du schmeckst nach Meer“, sagte er leise.
Sie lachte atemlos. „Du auch.“
Er beugte sich vor, küsste sie, und sie schmeckte sich selbst auf seinen Lippen – salzig, süß, intensiv. „Ich will dich fühlen“, murmelte sie gegen seinen Mund, „in mir.“
Er nickte, richtete sich auf. Sie griff nach ihm, führte ihn zu sich. Seine Spitze drückte gegen ihre Öffnung, und sie spürte den Druck, die leichte Dehnung. Dann glitt er hinein, langsam, Zentimeter für Zentimeter, bis er ganz in ihr war. Sie stöhnten beide auf, ein gemeinsamer Laut. Sie fühlte sich ausgefüllt, verbunden. Er hielt inne, ließ ihr Zeit, sich an seine Größe zu gewöhnen.
„Beweg dich“, flüsterte sie, und er begann, die Hüften zu kreisen, ein langsamer, tiefer Rhythmus. Er zog sich fast ganz zurück und stieß wieder zu, wieder und wieder, das Bett knarrte im Takt. Sie schlang die Beine um ihn, hob die Hüften, um ihn tiefer aufzunehmen. Seine Hand glitt zwischen ihre Körper, seine Finger fanden ihre Klitoris, massierten sie im gleichen Rhythmus.
„Oh, Gabriel“, keuchte sie, und er beschleunigte, der Rhythmus wurde drängender, ihre Lippen fanden einander, die Küsse waren feucht und unkontrolliert. Sie spürte, wie eine zweite Welle sich aufbaute, diesmal stärker, sie kam aus ihrem Becken, breitete sich aus, bis sie den ganzen Körper erfasste. Sie schrie, diesmal seinen Namen, und er stöhnte in ihren Mund, während er sich in ihr ergoss, sein Körper spannte sich an, dann erschlaffte er über ihr.
Sie lagen still, nur ihre Atemzüge füllten den Raum. Draußen hörte man das Zirpen der Grillen, den fernen Lärm der Stadt. Seine Hand strich über ihren Bauch, sanfte Kreise.
„Das war …“, begann er, aber sie drückte einen Finger auf seine Lippen.
„Nichts sagen.“ Sie kuschelte sich an ihn, den Kopf in seiner Armbeuge. Die Lampe warf Schatten an die Wand, die an die Azulejos erinnerten, blau und weiß. Sie schloss die Augen, spürte die Schwere ihres Körpers, die Wärme, die von ihm ausging. Irgendwann schlief sie ein, eingerollt in seinen Armen, während der Wind die Vorhänge blähte und die Nacht sich über Lissabon senkte.
Der Nachklang
Stunden später wachte sie auf. Das Fenster stand noch offen, und ein kühlerer Wind strich herein. Gabriel schlief tief, sein Atem ging gleichmäßig. Sie löste sich vorsichtig aus seiner Umarmung, stand auf. Ihre Kleider lagen noch auf dem Boden – das leichte Kleid, der Slip. Sie hob das Kleid auf, roch daran: Salz, Schweiß, ein Hauch von seinem Parfüm. Sie ließ es fallen, trat nackt ans Fenster.
Die Stadt lag im Dunkeln, nur vereinzelte Lichter. Der Himmel war mit Sternen übersät. Sie lehnte sich gegen den Fensterrahmen, spürte die kühle Luft auf ihrer Haut. Ein Geräusch – er hatte sich umgedreht. Sie drehte sich um, sah ihn im Halbdunkel. Er hatte die Augen geöffnet, lächelte.
„Komm zurück“, sagte er, die Stimme noch rau vom Schlaf.
Sie ging zum Bett, ließ sich neben ihm nieder. Er zog sie an sich, seine Hand legte sich auf ihre Hüfte. „Bist du kalt?“
„Ein bisschen.“
Er zog die Decke über sie beide, küsste ihre Schulter. „Besser?“
„Ja.“ Sie drehte sich zu ihm, strich über seine Wange. „Schlaf weiter.“
„Ich will nicht schlafen. Ich will dich ansehen.“
Sie lachte leise. „Ich bin da. Morgen auch.“
„Versprochen?“
„Versprochen.“
Er küsste sie auf die Stirn, dann die Nase, dann den Mund. „Ich mag deinen Mund.“
„Ich mag deinen auch.“ Sie küsste ihn zurück, ein sanfter, langer Kuss.
„Lara?“, flüsterte er.
„Ja?“
„Nichts. Nur dein Name.“
Sie schmiegte sich an ihn, spürte seinen Herzschlag. Draußen begann der Himmel sich aufzuhellen, ein blasser Streifen über den Dächern. Sie schloss die Augen, ließ sich in den Schlaf sinken, während seine Hand leichte Kreise auf ihren Rücken malte.
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