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Nachtzug nach Süden

Reise Kurzgeschichten · Lesedauer ca. 11 Min · Ab 18 Jahren

Wieso zur Hölle buche ich immer die billigste Fahrkarte? Lara reibt sich die Stirn, als der Schaffner ihr das Abteil zuweist. Sechs Betten, eines belegt. Natürlich das oberste. Sie klettert die schmale Leiter hoch, lässt den Rucksack auf das schmale Polster fallen und stößt mit dem Kopf gegen die Decke. Perfekt.

Der Mann unten links blättert in einem Buch – italienischer Autor, den Namen erkennt sie nicht. Mitte dreißig, dunkle Locken, ein offenes Hemd, das den Ansatz einer Brustbehaarung zeigt. Er hebt den Blick, nickt knapp. Sie nickt zurück, zu erschöpft für Konversation. Der Zug ruckt an, Rom versinkt in der Nacht.

Ihr Körper schmerzt vom vielen Laufen, den Treppen von Trastevere, der Sonne auf den Schultern. Sie schließt die Augen, aber der Schlaf will nicht kommen. Gedanken kreisen: der Job, der sie nicht loslässt, die flüchtige Affäre vor zwei Monaten, das Gefühl, ständig hinterherzuhinken. In zwei Wochen ist sie wieder zu Hause. Vielleicht sollte sie einfach loslassen – das hatte sie sich vorgenommen. Leichter gesagt.

Stunden vergehen. Der Zug rattert durch die Dunkelheit, hält in Neapel, dann weiter. Sie hört das Atmen der anderen, das Knarren der Bettgestelle. Irgendwann ruckelt es, sie schreckt auf. Das Licht im Gang ist gedimmt. Sie spürt Durst.

Leise klettert sie hinunter, die Füße suchen die Sprossen. Im Vorbeigehen streift ihr Blick den Mann – er schläft nicht, starrt aus dem Fenster in die schwarze Landschaft. Sie zögert.

„Alles okay?“ Seine Stimme klingt samtig, mit einem leichten Akzent, der ihre Aufmerksamkeit fesselt.

„Nur ein bisschen durstig. Und wach.“

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Er lächelt, weist auf eine Flasche Wasser auf dem Klapptisch. „Nimm. Ich hab noch eine.“

Sie bedankt sich, trinkt und setzt sich auf die Kante seines Bettes. Nicht zu nah, aber nah genug, um den warmen Duft seiner Haut zu riechen, eine Mischung aus Seife und etwas Holzigerem. „Fährst du bis zum Ende?“

„Bis Sizilien, ja. Meine Familie hat ein Haus an der Küste. Und du?“

„Urlaub. Eine Woche Wandern auf dem Ätna, dann zurück nach Berlin.“

„Allein?“

„Ja. Geplant war das anders, aber …“ Sie zuckt die Achseln. „Manchmal ist allein besser.“

Er mustert sie, nicht aufdringlich, eher neugierig. Seine Augen wandern über ihr Gesicht, bleiben an ihren Lippen hängen. „Ich bin Matteo.“

„Lara.“

„Lara.“ Er wiederholt ihren Namen, als schmecke er ihn, langsam und betont. „Magst du Rotwein? Ich hab eine Flasche im Rucksack. Gegen die Schlaflosigkeit.“

Sie zögert eine Sekunde, dann nickt sie. Was soll schon passieren? Der Zug trägt sie fort, sie sind Fremde, morgen früh steigt sie aus. Die Spannung in ihren Schultern lässt nach, als sie die Entscheidung trifft.

Er holt die Flasche, zwei Plastikbecher. Sie setzt sich quer auf sein Bett, lehnt den Rücken an die Wand. Er schenkt ein, ihre Finger berühren sich. Ein Kribbeln, das sie ignoriert, aber ihre Haut scheint sich zu erinnern.

Sie reden. Über seine Arbeit als Architekt in Catania, ihre Arbeit in einer Werbeagentur. Über das Licht auf dem Meer, das er liebt, und den Lärm der Stadt, den sie hasst. Der Wein wärmt ihren Magen, löst die Spannung in ihren Schultern. Sie lacht über seine Anekdote von einer missglückten Baustelle, und ihr Oberschenkel streift seinen. Ein elektrischer Funke.

Irgendwann liegt ihre Hand auf seiner, während sie eine Geschichte erzählt. Sie merkt es erst, als er den Daumen über ihren Handrücken streicht, langsam und bewusst. Sie schaut auf. Sein Blick ist dunkel, mit einem Schimmer, der sie tief unten erwärmt. Die Luft zwischen ihnen wird schwer.

„Ich könnte dich küssen“, sagt er leise, nicht als Frage. Sein Atem streift ihre Wange.

„Du könntest“, antwortet sie. Ihr Herz klopft hart, pochend in ihrem Schoß.

Er beugt sich vor, langsam, gibt ihr Zeit. Seine Lippen treffen ihre, weich, zögerlich zuerst, dann fordernder. Sie öffnet den Mund, lässt seine Zunge hinein, schmeckt Rotwein und ein Versprechen. Eine Hand gleitet in ihren Nacken, zieht sie näher. Der Kuss vertieft sich, wird hungriger. Sie vergisst das enge Abteil, die anderen Passagiere, das Ruckeln des Zuges. Nur noch sein Mund, sein Geruch, die Wärme, die von ihm ausgeht, die sich in ihrem Bauch ausbreitet.

Sie löst sich keuchend. „Das ist verrückt.“

„Ja.“ Er lächelt, seine Augen glitzern im schwachen Licht. „Willst du aufhören?“

Sie schüttelt den Kopf. Stattdessen schwingt sie ein Bein über seinen Schoß, sitzt nun rittlings auf ihm, die Knie auf der Matratze. Seine Hände liegen auf ihren Hüften, schieben den dünnen Stoff ihres T-Shirts hoch. Seine Daumen zeichnen Kreise auf ihrer nackten Haut, knapp unter dem BH. Sie beugt sich vor, küsst ihn wieder, tiefer diesmal, ihre Zungen forschend. Der Geschmack von Wein und Verlangen.

Der Zug rattert in einen Tunnel, die Dunkelheit wird absolut. In diesem schwarzen Kokon traut sie sich mehr. Ihre Hand wandert an seinem Bauch hinab, über den Gürtel, drückt auf seine Erektion durch den Stoff. Sie spürt die Härte, die Wärme, und ein Zittern durchfährt sie. Er stöhnt leise, drückt ihre Hüfte fester auf sich.

„Lara“, flüstert er gegen ihren Hals. „Wir sind nicht allein …“

„Ich weiß.“ Trotzdem macht sie nicht Halt. Langsam öffnet sie den Knopf seiner Hose, zieht den Reißverschluss hinunter. Ihre Finger sind zitternd, aber entschlossen. Seine Hand bedeckt ihre, hält sie fest.

„Wir müssen leise sein.“

Sie nickt, schiebt seine Hand weg, taucht ihre Finger in seine Hose, umfasst ihn durch den Stoff der Boxershorts. Er ist hart, heiß, sie spürt die Pulsadern durch die dünne Baumwolle. Ein feuchter Fleck hat sich schon gebildet. Sie massiert ihn durch die Shorts, sein Atem geht stoßweise, seine Hände krallen sich in das Laken.

Dann zieht sie ihre Hand zurück, hebt ihr eigenes T-Shirt über den Kopf. Die kühle Luft trifft ihre Haut, ihre Brustwarzen ziehen sich zusammen. Sein Blick ist im Dämmerlicht des Gangs, das durch die Türritze fällt, auf ihren Brüsten, umhüllt von schwarzer Spitze. Er beugt sich vor, nimmt eine Brustwarze durch den Stoff in den Mund, saugt sanft. Sie beißt sich auf die Lippe, um nicht zu stöhnen. Der Zug schaukelt, ihre Körper bewegen sich im Rhythmus der Gleise.

Er löst den BH-Verschluss mit einer Hand – Übung, denkt sie, aber es kümmert sie nicht. Ihre Brüste fallen frei, er nimmt eine in den Mund, während seine Hand die andere liebkost. Seine Zunge umspielt die Spitze, saugt, kneift sanft. Sie schließt die Augen, konzentriert sich auf jedes Züngeln, jedes Saugen, wie die Erregung von ihren Brustwarzen nach unten fließt, sich in ihrem Schoß sammelt, feucht macht. Ein Pulsieren zwischen ihren Beinen.

„Ich will dich schmecken“, haucht er. „Aber hier …“

Sie versteht. Sie rutscht von ihm herunter, kniet vor ihm auf dem Boden, die Knie auf dem Teppich. Seine Hose ist offen, sie zieht sie gemeinsam mit der Shorts nach unten, befreit seinen Penis. Im schwachen Licht sieht sie ihn: lang, dick, die Eichel glänzend mit einem Tropfen Vorsaft. Sie umfasst ihn mit einer Hand, spürt die Wärme, die Festigkeit. Dann beugt sie sich vor und nimmt ihn in den Mund.

Sein leises Zischen ist die einzige Antwort. Sie massiert mit der Zunge die Unterseite, gleitet langsam hinab, so weit sie kann, ohne zu würgen. Ihr Kopf bewegt sich auf und ab, eine Hand umfasst die Basis, die andere streichelt seinen Oberschenkel. Er schmeckt salzig, männlich, ein Geschmack, der sie noch feuchter macht. Ein leises Quitschen der Matratze zeigt, dass er sich an der Wand abstützt, die Beine gespreizt.

Sie variiert Tempo und Druck, saugt fester, nimmt ihn tiefer, bis ihre Lippen seine Finger treffen. Seine Hände liegen in ihren Haaren, nicht drängend, nur da. Sie hört sein kehliges Stöhnen, unterdrückt, kaum hörbar. Der Zug ruckt, sie verliert kurz den Rhythmus, findet ihn wieder. Sie spürt sein Zittern, weiß, dass er nahe ist. Ihr eigener Körper reagiert, eine Welle der Erregung durchflutet sie.

„Lara, ich …“

Sie macht weiter, will ihn spüren, wie er sich in ihrem Mund entlädt. Aber er zieht sie sanft hoch, küsst sie, sein Geschmack auf ihren Lippen.

„Nicht allein“, murmelt er. „Ich will in dir sein.“

Sie klettert wieder auf sein Bett, diesmal auf allen vieren, dreht sich um, bietet ihm ihren Rücken. Ihr Rock ist hochgerutscht, sie spürt die kühle Luft auf ihren feuchten Schenkeln. Er versteht sofort. Seine Hände gleiten an ihren Beinen hoch, unter den Rock, der bis zu den Oberschenkeln gerutscht ist. Er streicht über ihren Slip – nass, durchweicht. Sie zuckt unter seiner Berührung. Er schiebt ihn zur Seite, ein Finger taucht in sie ein, gleitet leicht hinein. Sie krallt sich in das Bettlaken, beißt hinein, um nicht aufzuschreien. Er bewegt den Finger langsam, dann zwei, dehnt sie, bereitet sie vor. Ihre Hüften drücken sich gegen seine Hand.

„Bitte, Matteo. Jetzt.“ Ihre Stimme ist heiser, ein Flehen.

Er zieht die Finger zurück, sie hört das Rascheln eines Kondoms, dann spürt sie die Eichel an ihrem Eingang, drückend. Er schiebt sich langsam hinein, Zoll für Zoll, ihr Körper öffnet sich für ihn. Sie sind beide still, nur ihr Atem füllt den kleinen Raum. Er füllt sie aus, voll, tief. Als er ganz in ihr ist, hält er inne, lässt sie sich gewöhnen. Die Dehnung ist süß, schmerzhaft.

„Beweg dich“, flüstert sie.

Er beginnt zu stoßen, erst langsam, dann tiefer, härter. Sie drückt sich ihm entgegen, ihr Becken kreist, nimmt ihn noch tiefer. Der Zug schaukelt, verstärkt jede Bewegung. Der Rhythmus wird schneller, ihre Körper verschmelzen, Schweiß und Hitze und der Geruch von Sex. Sie spürt die Spannung in ihrem Bauch aufbauen, eine Welle, die steigt und steigt. Sein Griff auf ihren Hüften wird fester, sein Atem schneller.

„Komm mit mir“, presst er hervor. Seine Stimme ist rau vor Verlangen.

Sie nickt, kann nicht sprechen. Ein letzter tiefer Stoß, und sie zerbricht, die Lust schießt durch ihren Körper in konzentrischen Kreisen, ihr ganzer Körper bebt. Sie drückt sich gegen ihn, nimmt alles, während er sich in ihr ergießt, sein Stöhnen in ihrem Nacken gedämpft. Sie bebt noch nach, ihre Muskeln ziehen sich um ihn, bis er erschlafft. Kleine Wellen der Lust rollen noch durch ihren Unterleib.

Lange liegen sie so, ineinander verschlungen, der Zug trägt sie weiter nach Süden. Sie spürt seinen Herzschlag gegen ihren Rücken, verlangsamt sich. Schließlich löst sie sich, dreht sich zu ihm, ihr Kopf in seiner Armbeuge. Er streicht ihr die Haare aus der Stirn.

„Danke“, sagt sie.

„Wofür?“

„Dass du mich abgelenkt hast.“ Sie lächelt, ihre Finger zeichnen Muster auf seiner Brust.

Er lacht leise. „Jederzeit.“ Sein Kuss auf ihre Stirn ist zärtlich.

Sie schweigen. Die Lichter einer Stadt ziehen vorbei – vielleicht Salerno, vielleicht weiter. Sie weiß nicht, ob sie ihn morgen wiedersehen wird. Aber in diesem Moment, in diesem schmalen Bett, ist sie angekommen.

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