Diese Geschichte wurde automatisch mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Personen sind volljährig. Ab 18.

Der Zug rollte durch die Steiermark, und die Abendsonne goss ihr letztes Licht über die Hügel, die sich wie schlafende Tiere aneinanderkuschelten. Helena saß am Fenster, die Finger flach auf dem Klapptisch, und spürte noch den Nachhall der letzten Probe in ihren Gelenken. Ein Konzert in Graz, ein weiteres in Wien, ein Flug morgen früh nach Zürich. Ihr Leben bestand aus Bahnhöfen, Hotelsuiten, aus den schwarzen und weißen Tasten, die sie kannte wie ihr eigenes Gesicht, und aus Leuten, die ihr hinter der Bühne Champagner anboten und über Musik sprachen, die sie nie wirklich hörten.
Der Tourmanager, ein Mann namens Felix, saß ihr gegenüber und sortierte Papiere in einen dunklen Ledermappen. Er war Anfang vierzig, mit grauen Schläfen, die seine Erscheinung nicht altern ließen, sondern ihr eine Schwere gaben, die Helena nicht benennen konnte. Sie hatte ihn vor drei Monaten eingestellt, weil er ruhig war, effizient, und weil er sie nie mit Fragen belästigte. Er sprach wenig, und wenn er sprach, dann über Anschlusszeiten, Hotelbuchungen, Pressephotos. Sie mochte das. Musik war ihr Territorium, die Stille zwischen den Tönen, die sie auf der Bühne füllte. Felix war das Gegenteil, ein Mann der Pausen.
„Du siehst müde aus“, sagte er, ohne den Blick von den Papieren zu heben.
Helena zuckte mit den Schultern. „Der Flügel in Graz war alt. Ich musste kämpfen.“
„Du klingst, als hättest du verloren.“
Sie lächelte schwach. „Vielleicht.“
Der Zug verlangsamte, und draußen tauchte ein kleiner Bahnhof auf, ein verlassenes Gemäuer aus dem vorigen Jahrhundert, umgeben von Wiesen und einem Streifen Wald. Der Schaffner rief einen Namen aus, den Helena nicht verstand. Statt in die Papiere zu sehen, blickte sie hinaus und entdeckte eine Frau, die auf der Bank am Bahnsteig saß, einen Strohhut auf dem Kopf, ein Tablett auf den Knien. Sie schien nicht zu warten, sondern einfach da zu sein, wie ein Teil der Landschaft, eine Wächterin über das Feld hinter ihr.
„Wer ist das?“, fragte Helena, mehr zu sich selbst.
Felix hob den Kopf. „Die vom Gutshof. Der Zug hält hier nur auf Verlangen.“
„Auf Verlangen?“
„Wenn jemand einsteigen oder aussteigen will. Die Frau bringt manchmal Obst zum Verkauf. Sie hat einen Stand hinter dem Bahnhof, wenn die Saison läuft. Aber jetzt, im Oktober…“, er zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder den Papieren zu.
Helena starrte die Frau an. Sie war jünger, als sie zunächst gedacht hatte, vielleicht Mitte zwanzig, mit kurzen, dunklen Haaren, die sich unter dem Strohhut kräuselten. Sie saß mit gekreuzten Beinen, die Hände ruhig auf dem Tablett, auf dem Gläser mit goldenem Saft standen, und blickte direkt in das Fenster des Zuges, als hätte sie Helena die ganze Zeit gesehen. Ein direktes, unverschämtes Anschauen, wie man ein Gemälde betrachtet, das man kaufen will. Helena fühlte einen Stich in der Brust, etwas, das sie nicht einordnen konnte.
Die Türen zischten, und der Zug hielt. „Steig doch aus“, sagte Felix. „Wir haben zwanzig Minuten Aufenthalt. Ich rufe unterdessen das Hotel in Zürich an, wegen deiner Suite.“
Helena zögerte. Es war absurd. Sie kannte diese Frau nicht, sie war ein Fremdes, ein Detail am Rand ihrer Reise. Aber etwas in ihrer eigenen Müdigkeit, in dem Dröhnen der letzten Wochen, das wie ein permanenter Orgelton unter ihrem Leben lag, drängte sie aufzustehen. Sie griff nach ihrer Jacke, stieg auf den Bahnsteig, und die Tür schloss sich hinter ihr mit einem leisen Seufzen.
Die Luft war klar und kalt, roch nach Heu und feuchter Erde. Die Frau sah ihr entgegen, ohne zu lächeln, und doch war da etwas in ihren Zügen, das wie ein Lächeln wirkte, ein Leuchten, das nicht auf den Lippen lag, sondern in der Art, wie sie den Kopf hob.
„Durst?“, fragte die Frau. Ihre Stimme war tief, mit einem steirischen Dialekt, der die Worte wie Kieselsteine rollen ließ.
Helena trat näher. „Was ist das?“
„Apfelsaft. Vom eigenen Hof. Nicht pasteurisiert, nicht zuckergesüßt. Nur Äpfel und Zeit.“ Sie nahm ein Glas vom Tablett und hielt es Helena hin. „Du spielst Klavier.“
Es war keine Frage. Helena nahm das Glas, die Kante war kühl, der Saft schmeckte nach Herbst, nach Sonne, die in Früchten gefangen war. „Woher weißt du das?“
„Die Hände. Man sieht es an den Händen. Du trägst deine Musik im Körper, wie ein Pferd, das die Rennbahn kennt, auch wenn es im Stall steht.“
Helena lachte, ein kurzer, überraschter Laut, der in der Stille des Bahnhofs laut klang. „Ich bin eine Pianistin. Aber wie kommst du auf mein Instrument?“
„Der Zug hält hier selten. Und wenn er hält, dann steigen keine Touristen aus. Du siehst aus, als würdest du nach etwas suchen, das du nicht benennen kannst. Das tun nur Leute, die zu viel in ihrem Kopf leben. Und Klavierspieler leben im Kopf und in den Fingern zugleich.“
Die Frau stand auf. Sie war größer, als Helena geschätzt hatte, schlank, mit langen Armen und einem Gesicht, das kantig war, nicht klassisch schön, aber von einer Offenheit, die Helena sofort in sich aufnahm wie einen bekannten Ton. Sie trug einen groben Wollpullover, der über einen weißen Hemdkragen gezogen war, und eine Hose, die in Gummistiefeln steckte. Dreck unter den Fingernägeln, die Hände aber gepflegt, mit kurzen, festen Nägeln.
„Komm“, sagte die Frau. „Ich zeig dir den Hof. Du hast Zeit.“
„Der Zug fährt in zwanzig Minuten ab.“
„Dann hast du zwanzig Minuten. Das reicht für einen Hof, wenn man weiß, wo man hinsieht.“
Helena stellte das leere Glas auf das Tablett. Der Saft hatte etwas in ihr gelöst, eine Verspannung, die sie nicht gekannt hatte. Sie folgte der Frau über den Bahnsteig, vorbei an einem rostigen Schild, das den Namen des Ortes verkündete, und einen schmalen Pfad entlang, der sich durch Wiesen schlängelte, auf denen Kühe standen, reglos wie Skulpturen. Der Hof lag hinter einer Gruppe von Kastanien, ein langgestrecktes Haus mit einem steilen Dach, Wänden aus Holz und Stein, und einem Innenhof, in dem Hühner pickten.
Die Frau öffnete eine Tür und trat in einen Stall. Es roch nach Heu, nach warmem Tier, nach Milch. Eine Kuh lag in der Ecke, die Beine untergeschlagen, und schaute ihnen mit großen, dunklen Augen entgegen.
„Das ist Marlene“, sagte die Frau. „Sie kalbt im Frühjahr. Bis dahin ist sie nur da, um den Boden zu beschweren.“
Helena trat näher. Die Kuh wandte den Kopf, und Helena streckte instinktiv die Hand aus, legte sie auf das warme, raue Fell. Die Berührung war wie ein Schock, so erdig, so unmittelbar, dass sie die Augen schloss. Sie spürte den Puls des Tieres unter den Fingern, ein langsames, gleichmäßiges Schlagen, das sie an die Metronome erinnerte, mit denen sie als Kind geübt hatte.
„Du bist nicht von hier“, sagte die Frau.
„Nein. Aus Wien. Aber ich reise das ganze Jahr. Ich habe kein Zuhause mehr, nur noch Bahnhöfe und Bühnen.“
„Das ist kein Leben. Das ist ein Warten.“
Helena öffnete die Augen, sah die Frau an. „Worauf?“
„Auf das, was bleibt, wenn man aufhört zu laufen.“
Die Frau trat näher. Ihre Hand, die nach Heu und Seife roch, legte sich auf Helenas Wange, so leicht, dass es kaum eine Berührung war, und doch brannte Helenas Haut darunter wie nach einem Kuss. Sie erschrak über sich selbst, über das plötzliche Ziehen in ihrem Bauch, die Wärme, die von ihrer Handfläche in den Körper stieg.
„Ich heiße Judith“, sagte die Frau.
„Helena.“
„Helena. Das ist ein Name für eine Königin, nicht für eine Reisende.“
„Vielleicht bin ich beides.“ Helena spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Sie war mit Leuten zusammen gewesen, in den Jahren auf Tour, hatte Affären gehabt, kurz und unverbindlich, in Hotelbars, in Umkleideräumen nach Konzerten. Aber das hier war anders. Das war ein stiller Raum, ein Stall, der nach Leben roch, und eine Fremde, die sie ansah, als hätte sie sie schon immer gekannt.
Judith ließ ihre Hand sinken und deutete auf eine Heubühne, die über dem Stall lag. „Da oben ist es warm. Wenn du willst, kannst du dich hinlegen, dich ausruhen. Du siehst aus, als hättest du lange nicht geschlafen.“
Helena zögerte. Der Zug würde bald abfahren. Felix würde warten, das Hotel in Zürich bestätigt, die Pressephotos für morgen vorbereitet. Aber die Müdigkeit in ihr war wie ein schweres Tier, das sie herunterzog, und die Stille hier, der Geruch von Heu, das langsame Atmen der Kuh, all das war so anders als das Dröhnen ihrer Welt, dass sie einfach nickte.
Sie stiegen eine Leiter hinauf, die knarzte, und fanden sich auf einem Plateau aus Heuballen wieder, das durch das Dachfenster im warmen Abendlicht lag. Es roch intensiv nach Gras, nach Sonne, die im Heu konserviert war. Judith setzte sich auf einen Ballen, und Helena tat es ihr gleich, dicht daneben, so dass ihre Knie sich fast berührten.
„Erzähl mir von deiner Musik“, sagte Judith.
Helena lachte. „Das wäre langweilig. Es ist immer dasselbe: Ich übe, ich spiele, ich reise. Ich wiederhole die gleichen Töne, die gleichen Gesten, die gleichen Verbeugungen. Vielleicht bin ich deshalb so müde.“
„Oder vielleicht bist du müde, weil du nicht spürst, was du spielst.“
Helena sah sie an. „Und du? Was spürst du?“
Judith schwieg einen Moment. Dann beugte sie sich vor, und ihre Lippen berührten Helenas Stirn, ein Kuss, so leicht, so zart, dass Helena die Luft anhielt. Sie konnte den Atem der Frau auf ihrer Haut fühlen, warm und regelmäßig, und das Geräusch des eigenen Herzens war plötzlich so laut, dass sie dachte, Judith müsse es hören.
„Ich spüre dich“, sagte Judith. „Ich spüre, dass du seit Monaten nichts gefühlt hast außer Anspannung. Dass deine Hände etwas wissen, das dein Kopf vergessen hat.“
Helena schloss die Augen. Die Worte drangen in sie ein wie ein Ton, der lange nachklingt, ein A-Dur-Akkord, der in der Stille schwingt. Sie spürte Judiths Hand auf ihrer Schulter, dann auf ihrem Nacken, die Finger fest, aber ohne Druck, und ein Schauer lief über ihren Rücken, der nichts mit Kälte zu tun hatte.
„Ich sollte gehen“, sagte Helena, aber ihre Stimme war heiser, ohne Überzeugung.
„Der Zug wird warten“, sagte Judith. „Oder er wird fahren. Aber du wirst bleiben, hier, in diesem Moment. Und wenn du gehst, wirst du dieses Heu riechen, wenn du hundert Konzerte gespielt hast.“
Sie küsste sie. Kein Stirnkuss mehr, sondern ein tiefer, forschender Kuss, der Helenas Mund öffnete, der nach Apfel und nach Erde schmeckte. Helena gab sich hin, ließ ihren Kopf in die Hand fallen, die ihren Nacken hielt, und spürte, wie all die Jahre der Reisen, der leeren Hotelzimmer, der höflichen Gespräche von ihr abfielen wie eine Haut, die sie nicht mehr brauchte. Ihre Hände, die sonst nur die Tasten kannten, fanden Judiths Gesicht, strichen über die harten Wangenknochen, über die weichen Lippen, die unter ihren Fingern zitterten.
Judith zog sie näher, und sie lagen auf dem Heu, Seite an Seite, und küssten sich, als hätten sie ewig Zeit, als wäre der Zug nur ein Gerücht, das ein anderer erfunden hatte. Helenas Hand fand den Saum von Judiths Pullover, schob ihn hoch, und ihre Finger lagen auf der nackten Haut des Bauches, der warm war, mit einer feinen Schicht aus Schweiß, die nach Anstrengung roch, nach Arbeit.
„Du bist schön“, sagte Helena, und es klang in ihrem eigenen Ohr wie eine Banalität, aber es war wahr, so wahr, dass es wehtat.
Judith lächelte, ein schmales, stilles Lächeln. „Ich bin nicht schön. Ich bin da. Das ist mehr.“
Sie knöpfte ihren Pullover auf, schob das Hemd von den Schultern, und Helena sah ihre Brüste, fest und klein, mit dunklen Brustwarzen, die sich in der kühlen Luft aufrichteten. Helena beugte sich vor und nahm eine Brustwarze in den Mund, und Judith seufzte, ein leiser Laut, der wie ein Geigenstrich in Helenas Kreuz klang. Sie saugte sanft, kreiste mit der Zunge, und Judiths Hand grub sich in ihr Haar, drückte sie fester an sich.
„Mehr“, sagte Judith, und ihre Stimme war tief, voller Schwere. „Ich will, dass du mich spürst. Nicht mit dem Kopf. Mit dem ganzen Körper.“
Helena ließ sich nach unten gleiten, ihre Lippen wanderten über den Bauch, über die Rippen, die sie mit der Zungenspitze zählte, bis sie den Bund von Judiths Hose erreichte. Sie zog sie auf, und Judith half ihr, die Hüften anzuheben, und dann lag sie nackt vor Helena, im goldenen Licht des Dachfensters, das über ihre Haut strich.
Helena kniete zwischen ihren Beinen und sah sie an, dieses fremde Gesicht, diese fremde Landschaft aus Haut und Haar, die nach nichts als nach Leben roch. Sie beugte sich vor und legte ihre Zunge auf Judiths Vulva, spürte die Wärme, die Feuchtigkeit, die sich schon angesammelt hatte, und Judith stöhnte, ein tiefes, rollendes Geräusch, das aus ihrer Brust zu kommen schien.
Helena leckte langsam, genoss den Geschmack, der süß und salzig zugleich war, wie die Wiese nach dem Regen. Sie strich mit der Zunge durch die Schamlippen, fand die Klitoris, die sich unter ihrer Berührung verhärtete, und Judith bäumte sich auf, ihre Hände in Helenas Haaren, ihre Schenkel, die sich um Helenas Kopf legten.
„Ja“, stöhnte Judith. „Genau da. Nicht schneller. Genau so.“
Helena gehorchte, hielt das langsames Tempo, kreiste mit der Zunge, während ihre Hand in Judiths Inneres glitt, zwei Finger, die sich dehnten, die Judiths Feuchtigkeit in sich aufnahmen, die die Wände umspülten. Judith bewegte sich ihr entgegen, ihr Becken hob sich rhythmisch, und Helena spürte, wie die Spannung in Judiths Körper wuchs, wie sie bebte, wie ihre Stimme lauter wurde, ein Stakkato aus Lauten, die keine Worte mehr waren.
„Ich komme“, sagte Judith, und es klang wie ein Geständnis, und dann kam sie, in einer langen Welle, die ihren gesamten Körper durchlief, die ihre Finger umklammerte, die in tiefen, kehligen Stöhnen endete, die das Heu zu absorbieren schien.
Helena zog ihre Hand zurück, leckte ihre Finger sauber, und Judiths Blick war auf sie gerichtet, dunkel, mit einem Ausdruck, den Helena nicht entschlüsseln konnte, der aber nichts mit Distanz zu tun hatte.
„Jetzt du“, sagte Judith.
Sie tauschten die Positionen, und Judith kniete über Helena, und ihre Hände waren überall, öffneten Helenas Bluse, die sie nicht einmal bemerkt hatte, schoben den Rock hoch, und ihre Finger fanden die Feuchtigkeit zwischen Helenas Beinen, die sich nicht erst jetzt angesammelt hatte, sondern schon seit dem Moment, als sie die Frau auf dem Bahnsteig gesehen hatte, im selben Moment, als der Zug gehalten hatte.
Judiths Mund war auf Helenas Bauch, ihre Zunge kreiste um den Nabel, und ihre Hand arbeitete zwischen den Schenkeln, langsame, kreisende Bewegungen, die Helena an den Rand einer Klippe brachten. Sie schloss die Augen, sah hinter ihren Lidern Wirbel aus Farben, und Judiths Stimme, tief und ruhig, sagte zu ihr: „Lass los. Du trägst zu viel. Lass es hier, auf dem Heu, in diesem Stall, wo es keiner braucht.“
Und Helena ließ los. Sie schrie, ein rauer, unmusikalischer Laut, der aus einer Tiefe kam, die sie nicht gekannt hatte, und ihr Körper zuckte, und sie klammerte sich an Judiths Schultern, um nicht zu ertrinken. Judith hielt sie, ihre Arme, die ihren Rücken umschlangen, und ihr Herz, das gegen Helenas schlug, wie ein zweites Metronom, das seinen Takt angab.
Sie blieben liegen, als der Zug abfuhr, ohne sie. Sie hörten das Pfeifen in der Ferne, das sich entfernte, und Helena wusste, dass Felix verstehen würde, dass er eine Nachricht schicken würde, dass sie eine Entschuldigung erfinden würde. Aber jetzt, in diesem Moment, lag sie im Heu, den Kopf auf Judiths Brust, und spürte den Atem, der sie hob und senkte, und dachte, dass dies vielleicht die einzige Musik war, die sie je wirklich gehört hatte.
„Bleib über Nacht“, sagte Judith, und es war keine Frage, keine Bitte, sondern eine Feststellung, die keine Antwort brauchte.
Helena sah zur Decke, wo durch die Ritzen der Abendhimmel dunkelblau wurde. „Was ist morgen?“
„Morgen ist wieder ein Tag. Du wirst üben, wenn du willst. Es gibt ein altes Klavier im Wohnzimmer, das gestimmt werden müsste. Aber das kann warten. Nichts muss.“
Die Nacht kam, und sie küssten sich auf dem Heu, ohne Eile, ohne Ziel, und Helenas Gedanken an Zürich, an die Pressephotos, an die Flüge und die Hotelzimmer wurden zu einem fernen Rauschen, das sie nicht mehr berührte. Sie schlief ein im Arm von Judith, ihr Gesicht im Nacken der Frau vergraben, und träumte von Feldern, die unter ihren Fingern wuchsen, von Tönen, die aus dem Boden kamen, statt aus dem Instrument.
Am Morgen stand sie auf, verfroren und glücklich, und Judith führte sie ins Haus, wo ein Kessel auf dem Herd stand, eine große Pfanne mit Eiern, und ein Klavier in der Ecke, verstaubt, aber intakt. Helena setzte sich auf die Bank, schlug ein C-Dur an, und der Ton war schief, unrein, aber er füllte den Raum, und Judith stand in der Tür, die Arme verschränkt, und lächelte.
„Ich muss trotzdem nach Zürich“, sagte Helena. „Irgendwann. „
„Irgendwann ist nicht heute“, sagte Judith.
Sie setzten sich zum Frühstück, und das Licht fiel auf den Holztisch, auf die Kaffeetassen, auf ihre Hände, die sich auf der Tischdecke fanden, und Helena dachte, dass dies eine romanze war, die sie nicht geplant hatte, die keinem Muster folgte. Eine Liebesgeschichte, die sich nicht in Programmen ankündigte, sondern sich aus Zufall und Saft und Heu zusammenfügte.
Am Nachmittag, als sie mit Judith über die Felder ging, den Geruch von Gülle und Gras in der Nase, kam ein Zug in der Ferne, und Helena hörte das Geräusch, das ihr so vertraut war wie ihr eigener Puls, und ihr Herz schlug einen Moment lang schneller. Aber sie blieb stehen, neben Judith, und die Hand der Frau lag auf ihrer Schulter, und sie fühlte sich geerdet, zum ersten Mal seit Jahren an einem Ort verwurzelt, der nicht aus Steinen und Programmen bestand.
„Wann fährst du wieder?“, fragte Judith.
Helena sah sie an. „Morgen. Ich muss. Aber ich komme zurück. Das verspreche ich dir.“
Judith nickte, ohne zu lächeln, aber ihre Augen waren warm. „Versprich mir nichts. Komm einfach. Und wenn du wiederkommst, spielst du mir etwas vor. Etwas, das du wirklich fühlst.“
Helena umarmte sie, und der Wind strich über das Feld, und das Geräusch des Zuges verschwand in der Ferne. Sie wusste, dass sie zurückkommen würde, nicht aus Schuld, nicht aus Verpflichtung, sondern weil das, was sie hier gefunden hatte, so selten war wie ein Frühlingstag im Oktober, und weil sie es nicht aufgeben konnte, ohne einen Teil von sich selbst zu verlieren.
Als der Zug am nächsten Morgen hielt, stand Judith auf dem Bahnsteig, den Strohhut in der Hand, und sie küssten sich kurz, öffentlich, ohne zu zögern, und Helena stieg ein, und das Fenster, an dem sie saß, wurde vom Blick der Frau getragen, bis der Zug in die Kurve bog und der Hof aus ihrem Blickfeld verschwand.
Sie lehnte den Kopf an die kühle Scheibe und roch an ihren Fingern das Heu, den Saft, den Geruch von Judith, der sich in ihre Haut eingegraben hatte wie eine Melodie, die sie nicht mehr loswurde. Und sie lächelte, zum ersten Mal seit Monaten, ohne Grund, ohne Publikum, einfach so.
Die Felder flogen vorbei, und der Zug trug sie nach Norden, aber ihre Gedanken blieben zurück, auf einem Hof in der Steiermark, bei einer Frau, die die Zeit nicht kannte, die erntete, was der Tag gab, und die wusste, dass man Liebe nicht plant, sondern dass sie einen findet, wenn man still genug wird, um sie zu hören.
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