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Das verbotene Wochenende

Affäre Kurzgeschichten · Lesedauer ca. 12 Min · Ab 18 Jahren

„Du schaust schon wieder.“ Meine Stimme klingt leiser als beabsichtigt, ein Hauch, der den Tisch umspielt.

Ich lasse die Gabel sinken, schiebe den Teller mit dem halb gegessenen Salat von mir. Er sitzt zwei Plätze weiter, dreht sich halb zu mir, als hätte er nur zufällig in meine Richtung geblickt. Aber ich kenne diesen Blick. Ich kenne ihn von unzähligen Abenden, wenn wir uns an der Mülltonne begegnen, wenn er seine Post aus dem Kasten holt, während ich die Tür aufsperre. Immer dieser kurze Moment, der eine Spur zu lange dauert, dieser Faden aus Ungesagtem, der zwischen uns gespannt ist.

„Ich schaue, weil du mir die Konzentration raubst“, sagt er leise. Seine Stimme ist tief, ein brüchiges Timbre, das unter die Haut kriecht und sich dort festsetzt. „Du sitzt da mit deinem roten Kleid, und ich soll mich auf Compliance-Richtlinien konzentrieren?“

Ein Lachen entwischt mir, zu laut für den sterilen Seminarraum. Die Frau neben mir wirft einen Seitenblick, aber mir ist es egal. Seit vier Stunden sitzen wir hier, getrennt durch eine unsichtbare Linie aus Anstand und Vernunft. Wir sind beide vergeben. Das wissen wir. Das macht diesen Blick nur noch gefährlicher, eine scharfe Kante, an der wir uns schneiden könnten.

„Vielleicht solltest du deine Prioritäten überdenken“, sage ich und greife nach meinem Wasserglas. Mein Puls hämmert gegen den Hals, als ich trinke, ein wilder Vogel im Käfig meiner Kehle.

Er grinst, dieses eine Grinsen, das er immer auflegt, wenn er mich am Briefkasten trifft. „Meine Prioritäten sind glasklar. Nur der Zeitpunkt ist beschissen.“

Die Referentin ruft zur nächsten Gruppenarbeit auf. Zufällig – oder vielleicht nicht, vielleicht hat das Schicksal heute seinen Finger im Spiel – landen wir im selben Team. Wir ziehen uns mit unseren Laptops in eine Nische zurück, ein verglaster Raum mit zwei Sesseln und einem niedrigen Tisch. Ich setze mich, schlage den Deckel auf, aber meine Finger ruhen auf der Tastatur, ohne einen Buchstaben zu tippen.

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„Also“, sagt er und lässt sich mir gegenüber fallen. „Worüber sollen wir sprechen?“

„Über Risikomanagement.“

„Langweilig.“

„Das ist das Thema der Übung.“

Er beugt sich vor, die Ellbogen auf die Knie gestützt. Der Stoff seines Hemds spannt über den Schultern, zeichnet die Konturen seiner Muskeln nach. „Risikomanagement bedeutet, Gefahren zu erkennen, bevor sie eintreten. Also: Was ist unser Risiko?“

Ich schlucke, spüre, wie sich mein Herz gegen die Rippen drückt. „Dass wir zu nah am Abgrund stehen.“

Er nickt langsam, als würde er eine Diagnose bestätigen. „Und die Wahrscheinlichkeit, dass wir stürzen?“

„Hundert Prozent.“ Meine Stimme ist fest, aber innerlich bebe ich.

Sein Mund wird weich, und ein Lächeln huscht über seine Lippen. „Dann sollten wir den Sturz wenigstens genießen.“

Mein Atem stockt. Ich will etwas sagen, irgendetwas, das die Grenze wieder aufrichtet, aber stattdessen gleitet mein Fuß aus dem Schuh und streift seinen Knöchel. Die Berührung ist elektrisch, ein Kurzschluss durch meinen ganzen Körper. Er zuckt nicht zurück. Seine Hand rutscht vom Knie, verschwindet unter dem Tisch, und einen Moment später spüre ich seine Finger auf meiner Wade. Eine leichte Berührung, kaum Druck, aber mein ganzer Körper antwortet mit einer Welle der Hitze, die mir den Atem raubt.

„Was ist mit …“, beginne ich und meine die zu Hause Wartenden, die wir betrügen werden, wenn wir weitermachen.

„Jetzt nicht“, flüstert er. „Nur wir zwei. Hier.“

Ich beiße mir auf die Lippe, schmecke Metall und Salz. Sein Daumen zeichnet Kreise auf meine Haut, dicht unter dem Knie. Ich spüre jede Linie, jeden Punkt, als ob er mich direkt dort berührt, wo es wehtut und gleichzeitig alles heilt. Die Welt um uns herum verschwimmt zu einem Nebel aus gedämpften Stimmen und surrenden Computern.

„Die Übung“, krächze ich, ein letzter Versuch, die Vernunft zu retten.

„Scheiß auf die Übung.“ Er steht auf, kommt um den Tisch herum, setzt sich auf die Armlehne meines Sessels. Sein Oberschenkel presst sich gegen meinen, die Hitze seines Körpers dringt durch den dünnen Stoff. Der Duft seines Aftershaves mischt sich mit etwas Eigenem, Warmem, Moschus und Salz. Seine Hand legt sich auf meinen Nacken, der Daumen unter meinem Ohr, und er beugt sich herunter, bis sein Mund an meinem Ohr ist. Sein Atem streift meine Haut, und ich schließe die Augen.

„Ich will dich“, sagt er. Nur das. Drei Worte, die alles zerstören könnten, die meine Welt aus den Angeln heben.

Ich drehe den Kopf, unsere Lippen sind einen Atemzug entfernt. Ich spüre seinen Atem auf meinem Mund. „Dann nimm mich.“

Sein Kuss ist nicht sanft. Er ist fordernd, hungrig, als hätte er sich jahrelang zurückgehalten, als wäre dies der Dammbruch nach einem endlosen Stau. Meine Hände vergraben sich in seinem Haar, ziehen ihn näher. Seine Zunge findet meine, und ich schmecke Kaffee und männliche Süße, eine Mischung, die mich schwindlig macht. Meine Brüste drücken gegen den Stoff des Kleides, die Spitzen hart und schmerzend, jedes Reiben eine Qual und ein Versprechen zugleich.

„Wir können nicht hier …“, hauche ich zwischen zwei Küssen, ein letzter Funke Vernunft.

Er löst sich, seine Augen sind dunkel, die Pupillen geweitet, fast schwarz. „Mein Zimmer. Nach dem Abendessen.“ Es ist keine Frage, sondern eine Anordnung, eine Verabredung mit dem Verbot.

Ich nicke, unfähig zu sprechen. Er steht auf, rückt sein Hemd zurecht, und setzt sich wieder auf seinen Platz. Zehn Minuten später präsentieren wir unsere Ergebnisse, als wäre nichts gewesen. Unsere Stimmen sind fest, unsere Gesten professionell, aber unter dem Tisch spüre ich noch immer das Echo seiner Finger auf meiner Haut.

Der Abend schleppt sich hin. Jede Minute eine Ewigkeit. Beim Buffet stehen wir uns gegenüber, beladen unsere Teller, wechseln Belanglosigkeiten über die Qualität des Bratens. Seine Finger berühren meine, als er nach dem Brotkorb greift. Ein kurzer Blitz, der durch meinen ganzen Körper zuckt und in meinem Schoß einen heißen Knoten hinterlässt.

„Um neun“, murmelt er, während er an mir vorbeigeht, sein Atem streift mein Ohr.

Ich warte in der Lobby, starre auf die großen Zeiger der Uhr über der Rezeption. Jede Sekunde ein kleiner Tod. Punkt neun nehme ich den Aufzug in den dritten Stock. Die Kabine ist klein, die Luft abgestanden. Ich atme flach, mein Puls jagt. Sein Zimmer liegt am Ende des Gangs, Tür Nummer 312. Ich klopfe zweimal, leise, zaghaft. Die Tür öffnet sich sofort, als hätte er dahinter gestanden, als hätte er auf nichts anderes gewartet.

Er zieht mich hinein, drückt mich gegen die geschlossene Tür. Der Kuss ist noch wilder als zuvor, seine Hände finden meine Hüften, ziehen mich an sich. Ich spüre seine Erregung, hart gegen meinen Bauch, und ein Stöhnen entwischt mir, ein Laut, der aus tiefster Kehle kommt. Meine Hände gleiten über seinen Rücken, spüren die Wärme unter dem Hemd, die Muskeln, die sich unter meinen Fingern anspannen.

„Ich will dich anfassen“, sage ich gegen seinen Mund. „Überall.“

Er tritt einen Schritt zurück, seine Finger finden den Reißverschluss meines Kleides. Er zieht langsam, die Zähne des Reißverschlusses geben nach, und das Kleid rutscht von meinen Schultern, fällt zu Boden. Ich stehe im schwarzen Spitzen-BH und Slip, die Haut unter seinem Blick brennend, als ob jede Faser meines Seins sich seinem Willen unterwirft.

„Wunderschön“, flüstert er. Seine Hände umfassen meine Taille, gleiten nach oben, lösen den Verschluss des BHs. Der fällt, und er stöhnt auf, als meine Brüste frei liegen, schwer und voll. Er beugt sich vor, nimmt eine Spitze in den Mund, umkreist sie mit der Zunge, bis ich mich an seinem Haar festhalten muss, um nicht zu sinken. Die Zärtlichkeit seiner Zunge ist überwältigend, ein Wechselspiel aus Saugen und Lecken, das mich an den Rand des Wahnsinns treibt.

Ich öffne seinen Gürtel, die Knöpfe seines Hemdes, lasse es von seinen Schultern gleiten. Seine Haut ist warm, die Muskeln unter meinen Fingern angespannt, vibrierend vor Verlangen. Ich presse meinen nackten Oberkörper gegen seinen, die Reibung ein Versprechen, die Haut an Haut ein Feuer. Er riecht nach Seife und Mann, ein Duft, der mich berauscht.

„Ins Bett“, befiehlt er leise, und ich gehorche. Es gibt kein Zögern, kein Nachdenken, nur den Drang, mich hinzugeben.

Ich lege mich auf die weiße Tagesdecke, sehe zu, wie er die Hose abstreift, den Slip. Sein Glied steht aufrecht, die Spitze feucht, ein Tropfen Perlmutt auf purpurroter Haut. Ich öffne die Beine, ein stilles Angebot, eine Einladung, der er nicht widerstehen kann. Er kommt über mich, sein Körper bedeckt meinen, sein Gewicht genau richtig, als wäre er dafür gemacht. Sein Kuss wandert meinen Hals hinab, über das Schlüsselbein, die Brüste, den Bauch. Ich winde mich unter ihm, jede Berührung entfacht ein Feuer, das mich von innen zu verzehren droht.

Seine Hand gleitet in meinen Slip, findet mich nass und bereit. Er stöhnt auf, als er meine Feuchtigkeit spürt, und schiebt zwei Finger in mich. Ein Schauer jagt über meinen Rücken, mein Becken hebt sich entgegen, mein Atem stockt. Er bewegt sich langsam, dann schneller, sein Daumen kreist über meinem Kitzler, bis ich die Knie um ihn schließe, ihn festhalte, als wollte ich ihn nie mehr loslassen.

„Nicht allein“, presse ich hervor. „Ich will dich in mir.“

Er zieht die Finger zurück, streift meinen Slip ab, und positioniert sich zwischen meinen Beinen. Nur einen Moment zögert er, sieht mir in die Augen. Seine Pupillen sind schwarz, sein Blick unergründlich. „Bist du sicher?“ Seine Stimme ist heiser, rau vor Verlangen.

Ich antworte, indem ich meine Hüften gegen ihn drücke, ein stummes Ja. Er gleitet in mich, Zentimeter für Zentimeter, ein Gefühl der Fülle, das mich aufstöhnen lässt. Ich spüre, wie er sich in mir ausdehnt, wie er mich ausfüllt, bis ich keine Luft mehr bekomme vor lauter Empfinden. Sein Gesicht ist angespannt vor Konzentration, die Adern an seinen Schläfen treten hervor. Wir bewegen uns in einem Rhythmus, der sich anfühlt, als hätten wir ihn schon tausendmal geübt, als wäre dies unser Tanz seit Anbeginn der Zeit. Jeder Stoß bringt mich näher an den Rand, seine Hand findet meine, verschränkt die Finger über meinem Kopf, als wollte er mich festhalten, damit ich nicht davontreibe.

„Komm für mich“, flüstert er, und sein Daumen findet erneut meinen Kitzler, kreist genau richtig, und mein Körper gehorcht. Eine Welle der Lust bricht über mich herein, die mich überrollt, die sich heiß in meinem Bauch ausbreitet, durch meine Arme und Beine schießt. Ich schreie auf, presse ihn tiefer in mich, meine Muskeln ziehen sich um ihn zusammen, ein Reflex, der nicht zu kontrollieren ist. Mein ganzer Körper bebt, während die Welle abebbt und eine satte Wärme zurücklässt.

Sein Stöhnen ist tief, als er sich gehen lässt, sein Körper spannt sich, und ich spüre, wie er in mir kommt, warm und voll, ein letzter Stoß, der mich noch einmal durchschüttelt. Sein Gewicht sinkt auf mich, sein Atem ist heiß an meinem Hals. Wir liegen still, seine Brust presst sich gegen meine, mein Herz schlägt im Gleichklang mit seinem.

Nach einer Weile rollt er sich zur Seite, zieht mich in die Kurve seines Körpers. Seine Hand streicht über meinen feuchten Bauch, zeichnet Muster auf die glänzende Haut. Ich schmiege mich an ihn, spüre die Wärme, die von ihm ausgeht, den Schweiß, der unsere Körper verbindet.

„Das war … mehr als ein Risiko“, sage ich, aber meine Stimme ist heiser und zufrieden, ein Murmeln in der Stille des Raums.

„Das war unvermeidbar“, antwortet er, und sein Kuss landet auf meiner Stirn. „Und ich bereue nichts.“

Ich drehe mich zu ihm, sehe in seine Augen, in denen noch das Nachglühen der Lust liegt, ein Funke, der nicht erlöschen will. „Ich auch nicht.“

Draußen hört man den Wind gegen die Scheibe drücken, ein fernes Heulen, das die Einsamkeit der Nacht betont. Das Seminar geht morgen weiter, und danach wartet der Alltag, die Wohnungen nebeneinander, die Briefkästen, die Blicke, die jetzt eine neue Bedeutung haben. Aber für diese Nacht sind wir nur wir zwei – und die Erinnerung an etwas Verbotenes, das sich anfühlt wie das einzig Wahre. Seine Hand ruht auf meiner Hüfte, mein Kopf liegt in der Beuge seines Arms, und wir schlafen ein, ohne ein weiteres Wort.

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