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Die Frau mit den Bernsteinohrringen

Long-Distance Kurzgeschichten · Lesedauer ca. 18 Min · Ab 18 Jahren

Diese Geschichte wurde automatisch mit KI-Unterstützung erstellt. Alle Personen sind volljährig. Ab 18.

Die Nachricht kam um 22:47 Uhr, genau zwischen dem dritten und vierten Kapitel von Tschechows Erzählungen, die sie für den Verlag überarbeitete. Annas Finger stockten auf der Tastatur, als das leise Pingen des Laptops das nächtliche Summen der Kreuzberger Wohnung durchschnitt. Sie las die Zeilen zweimal, dreimal, bevor sie den Stift hinter ihr Ohr schob und sich in den Stuhl zurücklehnte, der unter ihrem Gewicht ächzte.

„Ich bin in Berlin. Nur für zwei Tage. Ich muss dich sehen.“

Sie kannte diese Art von Nachrichten. Jonas schrieb immer so, wenn er zwischen zwei Flughäfen und drei Zeitzonen hing, wenn die Hotels zu gleich aussahen und die Buchmessen zu lang wurden. Übersetzerin und Verleger, zwei Menschen, die sich durch Worte gefunden hatten und nun durch deren Abwesenheit verloren. Drei Jahre Beziehung, davon zwei als Fernbeziehung zwischen Frankfurt und New York, mit Zwischenstopps in Berlin, wo ihre Wohnung in der Weserstraße zum Ankerplatz geworden war.

Anna stand auf, ging zum Fenster und blickte auf die Lichter der gegenüberliegenden Häuser. Der Regen hatte die Straßen glänzend gemacht, und irgendwo spielte jemand Musik, deren Bass durch die Ziegelmauern drang. Sie trug nur ein dünnes Leinenhemd, das an ihren Oberschenkeln klebte, und die Nachtluft, die durch den Spalt im Fenster drang, ließ ihre Brustwarzen hart werden. Sie dachte an Jonas‘ Hände, wie sie sich durch ihre Haare gruben, wie er sie immer an der Hüfte packte, wenn er sie küsste, als müsse er sie festhalten, damit sie nicht davonschwebte.

„Wann landest du?“ tippte sie, löschte es, tippte neu: „Ich bin da.“

Seine Antwort kam sofort: „Morgen, 14 Uhr, Tegel. Ich bringe etwas mit.“

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Sie schrieb nichts mehr, stellte das Handy stumm und lauschte dem eigenen Atem. Die Wohnung fühlte sich größer an in den Nächten, in denen er nicht da war, die Zimmerdecken höher, die Stille dicker. Sie schaltete das Licht aus und ließ die Dunkelheit über sich kommen, während ihre Hand langsam zwischen ihre Schenkel glitt, fast ohne dass sie es merkte, ein Reflex auf die Erinnerung an seinen Geruch, seine Stimme, die Art, wie er ihren Namen sagte, wenn er kam.

Am nächsten Morgen wachte sie mit dem Gefühl auf, etwas vergessen zu haben, und dann erinnerte sie sich. Sie duschte lange, rasierte sich die Beine, wählte dann einen dunkelblauen Rock, der ihre Hüften umspielte, und ein weißes Tuchoberteil, das an den Schultern offen war. Sie trug die Bernsteinohrringe, die er ihr aus Tallinn mitgebracht hatte, und fuhr sich mit dem Kamm durch das feuchte Haar, das sie ungewohnt offen ließ.

Am Flughafen stand sie eine halbe Stunde vor der Ankunftstafel, beobachtete die Menschenströme, Familien, Geschäftsleute, Liebespaare, die sich in die Arme fielen. Als Jonas durch die Glastüren trat, den Koffer hinter sich herziehend, das Jackett überm Arm, durchfuhr es sie wie ein Stromstoß. Er sah müde aus, die Augen leicht gerötet, der Bart etwas zu lang, aber als er sie sah, veränderte sich sein Gesicht, und mit drei langen Schritten war er bei ihr, ließ den Koffer fallen und zog sie an sich.

„Du riechst nach Regen“, murmelte er in ihr Haar, und sie lachte, weil das so ein Satz war, den er immer sagte, egal bei welchem Wetter, und dann küsste er sie, tief und hungrig, und sie spürte den Geschmack von Flugzeugkaffee und dem frühen Morgen auf seinen Lippen.

„Ich habe dir etwas mitgebracht“, sagte er später, als sie im Taxi durch die Straßen fuhren, die nass vom Mittagsregen waren. Er holte ein flaches, in braunes Papier gewickeltes Päckchen aus seiner Tasche und legte es auf ihren Schoß. Sie wickelte es aus und fand ein Buch, einen schmalen Band, dessen Einband dunkelgrün schimmerte. Auf dem Titel stand: „Fernbeziehung Geschichte eines Wartens“ von einer Autorin, deren Namen sie nicht kannte.

„Das ist für deine Übersetzungsliste“, sagte er, und seine Hand ruhte auf ihrem Knie, warm und schwer. „Ich dachte, das passt zu uns.“

Sie blätterte vorsichtig und fand auf der ersten Seite eine Widmung in seiner Handschrift: „Für die kürzeste Distanz zwischen zwei Herzen.“

In der Wohnung angekommen, stellte er seinen Koffer ab, zog die Schuhe aus und ging wie immer direkt zum Fenster, um die Aussicht zu prüfen, obwohl sich nichts verändert hatte. Anna stand in der Tür und sah ihm zu, wie er den Raum mit seinen Bewegungen füllte, seine Jacke über die Stuhllehne legte, den Kragen lockerte, die Uhr abnahm und auf den Tisch legte. Diese Rituale, die sie so gut kannte, dass sie sie im Schlaf hätte mitzählen können, taten ihr weh und gleichzeitig gut.

„Wie lange kannst du bleiben?“ fragte sie, und ihre Stimme klang belegt.

Er drehte sich um, trat auf sie zu und nahm ihr Gesicht in beide Hände. „Nur bis morgen früh. Dann muss ich nach London.“ Er strich mit dem Daumen über ihre Wange. „Es tut mir leid.“

„Es tut dir immer leid“, sagte sie, aber ohne Bitterkeit, und legte ihre Hände auf seine Brust, wo sie das Schlagen seines Herzens durch den dünnen Stoff spürte.

Er küsste ihre Stirn, dann ihre Nasenspitze, dann ihren Mund, und diesmal war der Kuss langsamer, forschender, als wolle er jeden Millimeter ihrer Lippen neu lernen. Anna öffnete ihren Mund unter ihm, ließ seine Zunge hineingleiten, sie schmeckte immer noch nach Flugzeug und Kaffee, aber darunter lag etwas Süßes, ein Rest von etwas, das sie nicht benennen konnte.

„Ich habe dich vermisst“, sagte er leise, als er ihren Mund freigab, und sie konnte hören, dass es keine Floskel war, sondern eine einfache Tatsache, schwer wie ein Stein.

Sie nahm seine Hand und führte ihn ins Schlafzimmer, wo das Nachmittagslicht durch die dünnen Vorhänge fiel und die weißen Laken in warmen Tönen schimmern ließ. Er blieb neben dem Bett stehen, sah sie an, und Anna verstand, dass er auf sie wartete, dass er ihr die Führung überließ, so wie er es immer tat, wenn er unsicher war, ob sie noch wollte.

Sie zog das Tuchoberteil über den Kopf und ließ es auf den Boden fallen, dann den Rock, der mit einem leisen Rascheln über ihre Hüften glitt. Sie stand im Halbdunkel vor ihm, nur mit einem dünnen Slip bekleidet, und sah, wie sich seine Pupillen weiteten, wie sein Atem schneller ging.

„Du bist so schön“, sagte er, und es klang, als würde er es zum ersten Mal sagen, obwohl er es schon hundertmal gesagt hatte.

Anna trat auf ihn zu und begann, die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen, langsam, einen nach dem anderen, während ihre Fingerspitzen über die Haut darunter strichen. Unter dem Stoff fand sie die warme Brust, das leichte Haar, das sich über dem Brustbein abzeichnete, und sie ließ ihre Handfläche darüber gleiten, spürte, wie sich seine Muskeln unter ihrer Berührung spannten.

„Ich will dich fühlen“, flüsterte sie und schob das Hemd von seinen Schultern, küsste die nackte Stelle, wo Hals und Schulter aufeinandertrafen, dort, wo seine Haut salzig schmeckte und nach ihm roch, nach diesem Geruch, den sie in den letzten zwei Jahren so oft vermisst hatte, dass sie manchmal nachts in ein Kissen biss.

Jonas‘ Hände fanden ihren Rücken, zogen sie näher, und sie spürte seine Härte gegen ihren Bauch, sogar durch den Stoff seiner Hose. Er küsste ihre Schulter, ihre Schlüsselbeine, und ließ seine Lippen langsam abwärts wandern, über die Wölbung ihrer Brust, bis er die harte Spitze mit dem Mund umschloss. Anna warf den Kopf zurück und stöhnte leise, als seine Zunge über die empfindliche Haut kreiste, als er an ihr saugte, während seine Hände ihren Slip hinunterzogen.

Sie stand nackt vor ihm, und er trat einen Schritt zurück, um sie anzusehen, vom Scheitel bis zu den Zehen, und sein Blick brannte auf ihrer Haut wie ein Versprechen. Dann zog er seine Hose aus, dann die Boxershorts, und als er wieder vor ihr stand, nackt und erregt, sein Glied steif und tropfend, ergriff sie es mit beiden Händen und spürte, wie er bei ihrer Berührung zusammenzuckte.

„Lass mich dich schmecken“, sagte sie und kniete sich vor ihm auf den Boden, das Licht des Nachmittags auf ihrem Rücken, während sie den Kopf neigte und die Spitze zwischen ihre Lippen nahm.

Sie schmeckte die salzige Feuchtigkeit, die sich dort gesammelt hatte, und ließ die Zunge langsam über die empfindliche Eichel gleiten, während ihre Hand den Schaft umfasste und in einem rhythmischen Auf und Ab bewegte. Jonas stöhnte, ließ den Kopf nach hinten sinken, und seine Hand grub sich in ihre Haare, nicht fordernd, sondern stützend, als müsse er sich an ihr festhalten.

„Anna“, sagte er, und ihr Name klang wie ein Gebet.

Sie nahm ihn tiefer, ließ ihn in ihren Mund gleiten, bis die Spitze ihren Rachen berührte, und schluckte um ihn herum, während ihre Zunge die Unterseite seines Gliedes liebkoste. Sein Becken bewegte sich in einem sanften Rhythmus, in den sie einstimmte, und die Gier, die sie in sich aufsteigen fühlte, war süß und scharf zugleich, wie der Geschmack seines Verlangens.

Als sie spürte, dass er kurz davor war, löste sie sich und stand auf, trat auf ihn zu und küsste ihn, während ihre Hand weiter an ihm arbeitete, langsam, quälend langsam, und er den Geschmack seiner eigenen Erregung auf ihren Lippen fand.

„Ich will dich in mir“, sagte sie, und es war kein Flüstern mehr, sondern eine schlichte Feststellung, so direkt, wie sie es immer aussprach, wenn das Begehren sie überwältigte.

Er hob sie auf das Bett, legte sie auf die Laken, die noch kühl vom Schatten des Nachmittags waren, und sie öffnete ihre Schenkel für ihn, bot ihm ihren Körper an, während er über ihr lag, das Glied an ihrer feuchten Öffnung, die er mit der Spitze streichelte, ohne einzudringen.

„Bitte“, sagte sie, und ihre Hüften hoben sich ihm entgegen.

Er drang langsam in sie ein, Zoll für Zoll, und sie fühlte, wie er sie füllte, wie die Wärme von seiner Härte in ihr aufstieg, wie ihr Körper sich um ihn schloss, als wolle er ihn nie wieder herauslassen. Er stöhnte leise, als er ganz in ihr war, und blieb einen Moment regungslos, ließ ihr Zeit, sich an die Fülle zu gewöhnen, während er ihre Stirn küsste, ihre Lider, ihre Lippen.

„So gut“, murmelte er, und begann sich zu bewegen, langsam, tief, mit langen, gleichmäßigen Stößen, die sie bis ins Mark durchdrangen.

Anna schloss die Augen und ließ sich treiben, spürte, wie jeder Stoß Wellen der Lust durch ihren Körper schickte, wie ihre innere Hitze wuchs, wie das Pulsieren zwischen ihren Schenkeln immer drängender wurde. Sie hob die Beine, schlang sie um seine Hüften, und zog ihn tiefer, tiefer, bis sie das Gefühl hatte, er könne nicht mehr in sie eindringen, und doch wollte sie mehr, immer mehr.

„Fester“, sagte sie, und ihre Stimme war heiser, und er gehorchte, seine Stöße wurden kraftvoller, der Rhythmus schneller, und das Bett knarrte im Takt ihrer Bewegungen, während die Hitze zwischen ihnen stieg.

Sie spürte, wie sich etwas anbahnte, ein Kribbeln in der Tiefe, das sich ausbreitete wie ein Fluss, und sie umklammerte seinen Rücken mit ihren Armen, vergrub ihr Gesicht an seiner Schulter, atmete seinen Geruch ein, während die Wellen sie erfassten.

„Ich komme“, flüsterte sie, und er verlangsamte nicht, drang weiter in sie ein, während ihr Körper sich zusammenzog, zuckte, die Lust sie überrollte in einer Welle, die sie schreien ließ, seinen Namen, unartikulierte Laute, die zwischen Stöhnen und Schluchzen lagen.

Er folgte ihr kurz darauf, spürte sie noch zucken, und stieß mit einem letzten, tiefen Ruck zu, während er in ihr kam, sein Körper sich an sie presste, und sie die Wärme in sich aufsteigen fühlte, dieses vertraute, süße Gefühl der Erfüllung.

Sie lagen ineinander verschlungen, ihre Atemzüge vermischten sich zu einem einzigen Rhythmus, und die Nachmittagssonne hatte sich hinter Wolken zurückgezogen, der Raum war in ein weiches, graues Licht getaucht. Jonas strich mit den Fingern durch ihre Haare, und sie lag mit dem Kopf auf seiner Brust, lauschte dem gleichmäßigen Schlagen seines Herzens, das langsam wieder zur Ruhe kam.

„Ich wünschte, du müsstest nicht gehen“, sagte sie, und ihre Stimme war klein, leise, wie die eines Kindes, das nicht schlafen will, weil es Angst vor der Dunkelheit hat.

„Ich weiß“, sagte er, und sie spürte, dass er die Wahrheit sagte, nicht nur eine Trostfloskel. „Aber ich komme wieder. In drei Wochen. Und dann bleibe ich eine ganze Woche.“

Versprechen, dachte sie, die die Distanz überbrücken, aber nicht aufheben. Sie drehte den Kopf, küsste seine Brust, und ihre Hand wanderte über seinen Bauch, spielte mit dem Haar, das sich von seinem Nabel abwärts zog.

„Noch einmal“, sagte sie, und es war keine Frage.

Er drehte sie auf den Rücken, beugte sich über sie, und küsste sie, und diesmal war der Kuss forschender, neugieriger, als suche er etwas, das er noch nicht gefunden hatte. Seine Hand glitt über ihren Körper, von der Brust zum Bauch, weiter nach unten, wo er die feuchte Wärme fand, die immer noch pulsierte von der vergangenen Lust.

„Du bist unersättlich“, sagte er, aber es klang wie ein Kompliment, und sie lachte leise, während seine Finger in ihr kreisten, die empfindliche Stelle fanden, die sie selbst oft nur schwer erreichte.

„Vielleicht“, sagte sie und spreizte ihre Beine weiter. „Aber du auch.“

Er strich langsam, kreisend, um ihren Kitzler, ließ sie zappeln, ließ sie sich unter seinen Fingern winden, bis sie die Hüften hob, sein Handgelenk packte, ihn bittend ansah, ohne ein Wort zu sagen. Er lächelte, beugte sich vor und nahm sie in den Mund, und der Schock der feuchten Wärme ließ sie aufstöhnen, die Hand in seinen Haaren vergraben, während er sie mit der Zunge bearbeitete, sanft, dann fester, dann wieder zart, bis sie am Rand des Abgrunds schwebte und ihn nicht überschreiten konnte, weil er sich zurückzog, genau dann, wenn sie es am meisten brauchte.

„Bitte“, stieß sie hervor, und ihre Stimme war fast wütend, und er lachte leise, das Vibrieren seiner Stimme direkt an ihr, und begann von vorn, quälend langsam, bis sie dachte, sie würde verrückt.

Als er sie schließlich kommen ließ, kam die Erlösung wie eine Explosion, als habe sich etwas in ihr aufgelöst, und sie schrie seinen Namen, ohne sich zu schämen, während sich ihr Becken gegen sein Gesicht drückte und die Lust sie in tausend Wellen überschwemmte.

Sie zog ihn hoch, küsste ihn, und schmeckte sich selbst auf seinen Lippen, und dann lagen sie da, erschöpft, schweißgebadet, die Laken um sie gewickelt wie ein Kokon, und die Dunkelheit begann langsam, über den Raum zu fallen.

Später, als der Abend sich über Kreuzberg senkte und die Lichter der Nachbarhäuser angingen, standen sie in der Küche, er mit einem Glas Rotwein, sie mit einem Schluck Wasser, und sahen durch das Fenster auf die Straße, wo ein Liebespaar unter einem Balkon stand, eng umschlungen, ungerührt vom Nieselregen.

„Weißt du, was ich mir manchmal wünsche?“, sagte sie, und ihre Stimme war ruhig, fast nachdenklich. „Dass du hier bist, ohne dass wir Zeit planen müssen. Dass wir einfach zusammen alt werden, in dieser Wohnung, mit diesen Büchern, mit diesem Fenster.“

Er stellte das Glas ab, trat hinter sie und legte die Arme um ihre Taille, das Kinn auf ihrer Schulter. „Ich weiß. Ich wünsche es mir auch.“

„Aber du änderst dein Leben nicht.“

Es war keine Anklage, nur eine Feststellung, ein Satz, der zwischen ihnen in der Luft hing.

„Noch nicht“, sagte er, und sie spürte das Gewicht des Wortes.

Sie schwiegen, und die Stille war nicht unangenehm, sondern voll, gefüllt mit allem, was sie sagten und nicht sagten. Anna drehte sich in seinen Armen um und legte die Hände auf seine Wangen, sah ihm in die Augen, die im schwachen Licht der Küchenlampe dunkel und tief waren, wie ein Brunnen, in den man fallen konnte, ohne je den Grund zu erreichen.

„Ich liebe dich“, sagte sie, und die Worte waren schwer vor Bedeutung, wie die bernsteinfarbenen Ohrringe, die sanft an ihren Ohrläppchen schaukelten. „Auch wenn es manchmal wehtut.“

Er küsste sie, zart, und in der Berührung lag das ganze Versprechen und die ganze Unmöglichkeit ihrer Situation.

„Ich liebe dich auch“, sagte er, und seine Stimme war heiser. „Mehr als alles. Und ich werde etwas ändern. Ich schwöre es dir.“

Sie glaubte ihm nicht ganz, aber sie sagte es nicht, denn in diesem Moment war der Glaube nicht wichtig. Nur das Da-Sein zählte, und sie nahm seine Hand, führte ihn zurück ins Schlafzimmer, wo die Laken noch warm waren von ihren Körpern, und sie liebten sich ein drittes Mal, diesmal langsam, beinahe traurig, wie ein Abschied, den man nicht vermeiden kann, obwohl man weiß, dass er kommen wird.

Am nächsten Morgen stand er um sechs Uhr auf, duschte, packte seine Sachen, und sie saß im Bett und sah ihm zu, mit dem Laken bis zur Brust gezogen, das Haar zerzaust, und seine Blicke blieben an ihr hängen, als könne er sie nicht mitnehmen und nicht zurücklassen.

„Ich ruf dich an“, sagte er an der Tür, den Koffer in der Hand, und sie nickte, die Worte blieben ihr im Hals stecken.

„Komm gut an“, sagte sie schließlich, und er lächelte, dieses eine Lächeln, das sie immer wieder an ihn verlor, und dann war er gegangen, und die Wohnung war wieder still, nur das Summen des Kühlschranks und das ferne Rauschen der Stadt, das durch die geschlossenen Fenster drang.

Sie blieb im Bett liegen, die Decke um sich gewickelt, und starrte an die Decke, wo der Putz einen feinen Riss hatte, den sie schon hundertmal gesehen hatte und der ihr jetzt wie eine Landkarte ihrer eigenen Sehnsucht vorkam. Sie griff nach dem Buch auf dem Nachttisch, dem schmalen Band mit dem dunkelgrünen Einband, und blätterte auf die erste Seite, las die Widmung in seiner Handschrift, und dann begann sie, den ersten Satz zu übersetzen.

„In der Ferne der Liebe findet man die genaueste Erinnerung an die Nähe.“

Sie schrieb den Satz auf einen Zettel, faltete ihn, und steckte ihn zwischen den Spiegel im Flur, wo sie ihn sehen würde, wenn sie ging und kam. Dann stand sie auf, zog das Leinenhemd über, das noch auf dem Boden lag, und machte sich Kaffee, stark und schwarz, wie sie ihn mochte, obwohl sie wusste, dass er ihn lieber mit Milch trank. Aber er war ja nicht da, um ihn zu trinken, und so trank sie ihn allein, in der Stille der Wohnung, während draußen die Stadt erwachte und der Tag begann, der sie wieder einen Tag näher zu ihm bringen würde.

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