Was zur Hölle machte ich eigentlich hier? In einem venezianischen Palazzo, der nach altem Teppichstaub und teurem Parfüm roch, umgeben von maskierten Gestalten, die alle so taten, als gehörten sie zur Elite. Ich nicht. Ich war Natalies Notlösung, die Freundin, die einspringen musste, weil ihr Date abgesprungen war. Sie selbst stand jetzt auf der anderen Seite des Saals und lachte mit einem Typen im Harlekin-Kostüm. Feine Freundin.

Ich trug ein schwarzes Kleid, das ich mir extra für diesen Abend gekauft hatte – schlicht, aber mit einem tiefen Ausschnitt, der mehr zeigte als ich normalerweise preisgab. Die Maske, eine schwarze Larve mit silbernen Federranken, klebte unangenehm auf meiner Haut. Ich fühlte mich wie eine Hochstaplerin. Aber der Wein war gut, und die Musik – ein Streichquartett, das irgendetwas zwischen Barock und Jazz spielte – half, die Anspannung zu lösen.
Ich lehnte an einer Säule und beobachtete das Gewimmel. Die meisten waren Paare, die sich eng umschlungen bewegten. Einige tanzten, andere flanierten, und über allem lag eine Atmosphäre aus Verlangen und Anonymität. Genau das hatte Natalie angepriesen: „Es ist wie in einem Film, Loreen. Jeder trägt eine Maske, niemand weiß, wer du bist. Du kannst sein, wer immer du willst.“ Ja, toll. Ich wollte nur sein, woanders.
Dann sah ich ihn. Er stand am Büffet, eine schlanke Gestalt in einem dunkelblauen Anzug, der perfekt saß. Seine Maske war schlicht, weiß mit goldenen Linien, die an griechische Ornamente erinnerten. Er hielt ein Glas Sekt, aber er trank nicht. Stattdessen ließ er den Blick durch den Raum schweifen, langsam, fast bedächtig. Und als er mich ansah, blieb sein Blick hängen.
Es war nicht dieser typische „Ich-check-dich-ab“-Blick. Es war etwas anderes. Eine Neugier, die mich direkt in der Magengegend traf. Ich spürte, wie mir warm wurde, obwohl der Raum gut klimatisiert war. Er lächelte nicht, aber seine Augen – die einzigen Teile seines Gesichts, die ich sehen konnte – schienen zu lachen. Ein tiefes, dunkles Lachen, das mich einlud, näher zu kommen.
Ich drehte mich um und tat so, als betrachtete ich ein Gemälde an der Wand. Ein venezianischer Kanal, in Öl, mit einer Gondel, die im Nebel verschwand. Mein Herz klopfte lauter, als es sollte. Warum? Ich kannte diesen Mann nicht. Er könnte jeder sein. Ein verheirateter Geschäftsmann, ein Langweiler, vielleicht sogar ein Idiot. Aber da war etwas in seiner Art, das mich faszinierte.
„Es ist ein Tizian, oder?“, hörte ich eine Stimme hinter mir. Sein Timbre war tief und melodisch, mit einem leichten Akzent, den ich nicht zuordnen konnte. Ich drehte mich um. Er stand jetzt direkt vor mir, nur eine Armlänge entfernt. Er roch nach Zedernholz und etwas Zitrus – frisch, aber nicht aufdringlich.
„Ich habe keinen Schimmer“, gab ich zu und lachte leise. „Ich kenne mich mit Kunst nicht aus. Ich bin nur hier, weil meine Freundin mich geschleppt hat.“
„Und deine Freundin?“, fragte er, während er sein Glas auf einem Tablett abstellte.
Ich deutete mit dem Kinn in Natalies Richtung. „Da drüben. Sie hat sich bereits verkrümelt.“
Er folgte meinem Blick und lächelte dann. „Dann bist du allein. Wie ich.“
„Du auch?“, fragte ich überrascht.
„Ich kam mit einer Gruppe von Kollegen“, erklärte er. „Aber ich kannte niemanden wirklich. Und die Gespräche waren so vorhersehbar. Börsenkurse, das neue Restaurant, der Urlaub in der Toskana. Ich brauchte eine Auszeit.“
„Die Maskenball-Atmosphäre ist ideal, um sich zu verlieren“, sagte ich und bereute die Formulierung sofort. Es klang kitschig.
Aber er nickte ernst. „Ja. Man kann für eine Nacht jemand anders sein. Oder sich selbst, ohne die Fesseln des Alltags.“
Seine Worte trafen mich. Genau das hatte ich in diesem Moment gespürt, ohne es in Worte fassen zu können. Ich nahm einen Schluck Wein und dann, ohne nachzudenken, sagte ich: „Ich heiße übrigens …“
„Nein“, unterbrach er mich sanft. „Nicht hier. Nicht heute. Lass uns ohne Namen bleiben. Dann ist es reiner.“
Ich sah ihn an, überrascht. „Reiner?“
„Ja“, sagte er. „Ohne Vorurteile, ohne Geschichten, ohne Erwartungen. Nur der Augenblick.“
Seine Hand bewegte sich zu meiner und berührte sie leicht. Seine Finger waren warm und fest. „Komm, lass uns tanzen.“
Er führte mich auf die Tanzfläche, wo sich Paare langsam wiegten. Die Musik war ein Walzer, getragen und sinnlich. Er legte eine Hand auf meine Hüfte, die andere hielt er meiner entgegen. Ich schloss meine Finger um seine, und wir begannen uns zu drehen.
Ich war keine gute Tänzerin, aber er führte souverän. Sein Körper war nah, sehr nah. Ich spürte die Wärme, die von ihm ausging, das Spiel seiner Muskeln unter dem Stoff. Sein Atem streifte mein Ohr, als er sich vorbeugte. „Du riechst nach Vanille und Salz“, murmelte er.
„Das Salz ist Schweiß“, gestand ich. „Ich bin nervös.“
Er lachte leise, und der Klang vibrierte in mir. „Warum? Du bist wunderschön. Das hast du sicher schon oft gehört.“
„Nicht so wie von dir.“ Es war die Wahrheit. Er sagte es nicht wie eine Floskel, sondern wie eine Feststellung.
Walzer um Walzer tanzten wir. Von Zeit zu Zeit veränderten sich die Lieder, aber wir blieben eng umschlungen. Meine Hand glitt von seiner Schulter zu seinem Nacken, wo die Haut unter dem Kragen seines Hemdes warm war. Er zog mich näher, bis kein Platz mehr zwischen uns war. Ich spürte seinen Herzschlag, oder war es meiner?
„Ich will dich küssen“, sagte er mit belegter Stimme.
„Ja“, flüsterte ich.
Er nahm meine Maske ab. Ich zögerte kurz, dann tat ich dasselbe. Jetzt sahen wir uns in die Augen – tiefbraun, mit goldenen Sprenkeln. Er strich eine Haarsträhne aus meinem Gesicht und beugte sich dann vor. Seine Lippen waren weich und warm, und der Kuss begann sanft, fast fragend. Aber dann wurde er fordernder. Seine Zungenspitze fuhr über meine Unterlippe, und ich öffnete mich ihm. Der Kuss wurde tiefer, seine Hand griff in mein Haar, zog sanft. Ich schmolz in ihn hinein.
Irgendwann lösten wir uns voneinander. Um uns herum tanzten die Leute weiter, aber ich hatte das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben war. Er nahm meine Hand. „Komm. Ich kenne einen Ort, wo wir ungestört sind.“
Ich folgte ihm ohne zu zögern. Wir schlängelten uns durch die Menge, vorbei an lachenden Masken, an Kellnern mit Tabletts. Er führte mich eine schmale Treppe hinauf, dann einen langen Flur entlang, bis zu einer Tür, die er öffnete. Ein kleiner Salon. Dunkle Holzmöbel, ein Kamin, der nicht brannte, ein Fenster, das auf den Garten hinausging. Und eine breite Couch, die mit Samt bezogen war.
Er schloss die Tür hinter uns und drehte den Schlüssel um. Das Geräusch war endgültig, und ich spürte eine Welle der Erregung in mir aufsteigen. Er kam auf mich zu, langsam, zielstrebig. „Du bist wunderschön“, sagte er wieder, aber diesmal klang es rau, verlangend.
„Zieh mich aus“, sagte ich. Es war kein Bitten, es war eine Aufforderung.
Er trat hinter mich und öffnete den Reißverschluss meines Kleides. Der Stoff fiel von meinen Schultern, glitt über meine Brüste, meine Hüften und sammelte sich auf dem Boden. Ich stand im schwarzen Spitzen-BH und Slip, die Beine nackt, die Absätze hoch. Er blieb hinter mir, und ich spürte seinen Atem auf meinem Nacken. Seine Lippen berührten meine Haut, genau dort, wo der Nacken in die Schulter übergeht. Ein Kuss, dann ein sanftes Knabbern. Ich schloss die Augen und ließ den Kopf zur Seite sinken, gab mich dem Gefühl hin.
Seine Hände glitten über meine Arme, meine Taille, dann nach vorne, über meinen Bauch. Er öffnete den Verschluss meines BHs mit einer Leichtigkeit, die mir verriet, dass er das schon oft getan hatte. Der BH fiel. Seine Hände umfassten meine Brüste, die sich sofort verhärteten. Er massierte sie sanft, kreiste mit den Daumen um die Spitzen. Ich stöhnte leise auf.
„Du reagierst so schön“, murmelte er gegen meine Haut. „Ich spüre, wie dein Herz rast.“
„Ja“, keuchte ich. „Weil du mich wahnsinnig machst.“
Er drehte mich zu sich um. Sein Blick wanderte über meinen Körper, und ich sah das pure Verlangen in seinen Augen. „Ich möchte dich auf der Couch“, sagte er. „Aber zuerst möchte ich dich schmecken.“
Er kniete sich vor mich hin. Ich hielt den Atem an. Seine Hände glitten über meine Oberschenkel, langsam, genießerisch. Er schob den Slip zur Seite und beugte sich vor. Sein erster Kuss traf mich dort, wo ich schon feucht und bereit war. Ein Schauer durchfuhr mich, als seine Zunge über meine intimste Stelle strich. Er war geschickt, fand sofort meinen Kitzler, umkreiste ihn mit sanftem Druck. Ich griff in sein Haar, hielt ihn fest, während er mich mit seiner Zunge verwöhnte.
„Oh Gott“, stöhnte ich. Mein Atem ging schneller. Er verstärkte den Rhythmus, nahm mich zwischen seine Lippen, saugte sanft. Ich spürte die Welle aufbauen, dieses Ziehen, das mich an den Rand des Abgrunds brachte. „Gleich“, stieß ich hervor. „Hör nicht auf.“
Er tat es nicht. Seine Zunge wurde fordernder, eine Hand glitt zu meiner Brust, kniff die Spitze. Und dann kam es über mich, ein Orgasmus, der mich durchschüttelte, warm und intensiv. Ich krümmte mich, stöhnte laut, während er weitermachte, bis ich erschauerte und mich übergeben musste.
Er stand auf, und ich sah, wie schwer er atmete. Sein Hemd war zerknittert, und ich bemerkte, wie sehr er sich beherrschte. „Jetzt bist du dran“, sagte ich und zog an seinem Gürtel.
Er half mir, sein Hemd zu öffnen, die Hose auszuziehen. Sein Körper war schlank und muskulös, mit einer feinen Linie dunkler Haare auf der Brust. Seine Erektion war beeindruckend – lang und dick, die Spitze bereits feucht. Ich umfasste ihn mit beiden Händen und ließ meine Zunge um die Eichel kreisen. Er zuckte zusammen und stöhnte auf. Ich nahm ihn tief in den Mund, spürte, wie er an der Rückseite meines Rachens anschlug. Er hielt meinen Kopf sanft, aber fordernd, und führte mein Tempo.
„So gut“, presste er hervor. „Aber ich will in dir sein.“
Er zog mich hoch und drückte mich auf die Couch. Ich lag auf dem Samt, während er sich über mich beugte und einen Moment inne hielt. „Sieh mich an“, sagte er. Ich sah in seine wilden Augen. Und dann drang er in mich ein.
Es war ein langsames, tiefes Eindringen. Ich spürte, wie er mich ausfüllte, Zentimeter für Zentimeter. Ich biss mir auf die Lippe, um nicht zu schreien. Er war so groß, aber ich war bereit, und die Dehnung war genau richtig. Als er ganz in mir war, hielt er inne, ließ uns beide den Moment spüren. Sein Atem war heiß auf meiner Haut.
„Beweg dich“, flüsterte ich.
Er begann sich zu bewegen, erst langsam, mit tiefen, rollenden Stößen, die mich innerlich trafen. Ich krallte mich in seinem Rücken fest, spürte die Muskeln unter meinen Fingern. Sein Tempo steigerte sich, wurde fordernder, wilder. Unsere Körper trafen aufeinander, der Klang des Stoßens mischte sich mit unserem Atem. Ich hob meine Beine an und wickelte sie um seine Taille, um ihn tiefer zu lassen. Er stöhnte auf, als ich mich um ihn zusammenzog.
„Du fühlst dich unglaublich an“, keuchte er.
„Härter“, bat ich. Ich brauchte es jetzt.
Er gehorchte. Seine Stöße wurden schneller, kräftiger. Der Couchrahmen knarrte leise. Ich spürte den Schweiß zwischen uns, das Reiben unserer Körper. Die Spannung in mir stieg wieder an, drängender diesmal. Ich klammerte mich an ihn, biss die Zähne zusammen, während die Empfindung wuchs.
„Komm mit mir“, sagte er heiser.
Ich nickte, unfähig zu sprechen. Ein letzter, tiefer Stoß, und ich explodierte in einer Welle der Erlösung. Gleichzeitig fühlte ich, wie er sich in mir ergoss, heiß und pulsierend. Wir lagen keuchend da, ineinander verschlungen.
Die Stille kehrte zurück, nur unterbrochen von unserem Atem. Er rollte sich zur Seite und zog mich in seine Arme. Ich legte meinen Kopf auf seine Brust, lauschte seinem Herzschlag.
„Ohne Namen“, murmelte ich.
„Ja“, sagte er. „Nur diese Nacht.“
Wir blieben so liegen, bis die Kühle der Nacht durch die Scheiben kroch. Irgendwann standen wir auf, zogen uns schweigend an. Er half mir, das Kleid über den Kopf zu ziehen, und ich knöpfte sein Hemd zu. Bevor wir den Raum verließen, küsste er mich noch einmal, tief und langsam.
„Auf Wiedersehen“, sagte er dann, aber ich wusste, dass wir uns nie wiedersehen würden.
Ich ging zurück in den Saal, wo die Musik noch immer spielte. Natalie suchte mich, winkte aufgeregt. „Wo warst du? Ich habe dich überall gesucht!“
„Ich musste frische Luft schnappen“, log ich. Aber innerlich lächelte ich. Diese Nacht hatte keine Namen gebraucht.
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