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Der Balkon und ihr Blick

Voyeurismus Kurzgeschichten · Lesedauer ca. 9 Min · Ab 18 Jahren

Die Erinnerung hing noch im Raum wie der Duft ihres Parfüms, der sich in den Kissenfäusten verfangen hatte. Drei Nächte waren vergangen, drei Nächte, in denen sein Schlaf von ihrem Bild heimgesucht wurde – dem Bild einer Frau, die sich über das Geländer beugte, das Handtuch lose um die Hüften, die Haut noch feucht vom Duschen. Jetzt stand er wieder auf dem schmalen Balkon des Hotelzimmers, die Hände auf das kühle Metall gestützt, und starrte hinüber zur leeren Balustrade. Damals, als er zum ersten Mal aus Versehen hier herausgetreten war, eine Zigarette zwischen den Fingern, hatte er sie entdeckt: eine Frau im Schein der Lampe, die ihr goldene Schatten auf die nackten Schultern malte.

Der erste Blick

Die Stadt unter ihnen glitzerte wie ein Netz aus tausend Lichtern, aber er sah nur sie. Sie lehnte an der Brüstung, den Kopf in den Nacken gelegt, die Lider geschlossen. Der Wind spielte mit den Enden ihres Handtuchs, hob es ein Stück an, entblößte die glatte Haut ihres Oberschenkels. Die Zigarette verglühte ungenutzt zwischen seinen Fingern, während sein Blick an ihr hing wie ein Falter am Licht. Dann, als ob sie die Schwere seiner Aufmerksamkeit spürte, öffnete sie die Augen und sah direkt zu ihm herüber. Kein Erschrecken, keine hastige Bewegung, das Tuch zurechtzuziehen. Nur ein langsames Lächeln, das seine Kehle zuschnürte. Und dann – sie ließ das Handtuch fallen.

Es fiel lautlos, sammelte sich um ihre Füße, und sie stand nackt vor ihm, ohne Scham, ohne Eile. Das Mondlicht sickerte über ihre Brüste, die sich mit jedem Atemzug hoben und senkten, die Brustwarzen hart in der kühlen Luft. Er rührte sich nicht, wagte kaum zu atmen, aus Angst, den Zauber zu zerreißen. Sie drehte sich langsam um, bot ihm den Rücken dar – die sanfte Kuhle über dem Steißbein, die Rundung ihres Pos – und beugte sich vor, die Unterarme auf das Geländer gestützt. So verharrte sie, eine stumme Einladung, die er unmöglich annehmen konnte, über die Kluft zwischen den Balkonen hinweg. Die Spannung zwischen ihnen war greifbar, ein unsichtbarer Faden, der von ihren Hüften zu seinen Augen spannte. Und dann war sie verschwunden, so plötzlich, wie sie erschienen war. Das Handtuch lag noch auf dem Boden, aber sie war fort, und die Tür zu ihrem Zimmer fiel ins Schloss. Er stand noch lange da, bis die Kälte in seine Knochen kroch, und starrte auf das weiße Tuch, das der Wind nicht forttrug.

Das Wiedersehen

Jetzt, drei Tage später, hatte er sich eingeredet, dass es ein einmaliger Zufall war, den er nicht wiederholen würde. Er war nur hier, weil er eine Nacht im Hotel gebucht hatte, bevor sein Flug am Morgen ging. Doch als er am Abend auf den Balkon trat, die gleiche Zigarette zwischen den Fingern, war sie wieder da. Sie saß auf einem Stuhl, ein Buch auf den Knien, aber sie las nicht. Sie sah ihn an, so als hätte sie den ganzen Abend auf diesen Moment gewartet.

„Sie sind wieder da“, sagte sie. Ihre Stimme war tiefer, als er erwartet hatte, mit einem leichten Rauch in der Kehle. Sie trug ein dünnes Seidenkleid, das im Wind an ihren Körper klebte und die Konturen ihrer Brüste, die flache Kurve ihres Bauches nachzeichnete.

„Ich wusste nicht, dass Sie noch hier sind“, log er. Die Zigarette zitterte in seiner Hand.

„Doch“, sagte sie, und ihr Lächeln war das gleiche wie damals. „Ich habe auf Sie gewartet.“

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Er wusste nicht, was er antworten sollte. Sie klappte das Buch zu, stellte es auf den Tisch und stand auf. Mit zwei Schritten war sie an der Brüstung, direkt gegenüber von ihm, nur zwei Meter Luft zwischen ihnen. „Haben Sie das genossen?“, fragte sie, und ihre Hand fuhr langsam über das Geländer, als ob sie seine Finger berühren wollte. „Zuzusehen, wie ich mich vor Ihnen entblößt habe?“

Sein Mund war trocken. „Ja“, brachte er hervor.

„Ich auch“, sagte sie. „Ich habe gespürt, wie Sie mich angesehen haben. Es hat mich heiß gemacht.“ Sie ließ die Hand sinken, griff unter das dünne Träger ihres Kleides und schob es von der Schulter. Es glitt ein Stück, enthüllte die glatte Rundung ihrer Brust. „Möchtest du mehr sehen?“, flüsterte sie. „Oder willst du nur zuschauen?“

Das ‚Du‘ traf ihn wie ein elektrischer Schlag. Er schluckte, spürte den harten Puls in seiner Kehle. „Ich will …“, begann er, aber die Worte versagten.

Sie lachte leise, ein Geräusch wie Kiesel im Bach. „Dann komm her. Oder lass mich rüberkommen. Das ist deine Wahl.“

Die Überquerung

Er zögerte keine Sekunde. Er drückte die Zigarette aus, ließ sie fallen und trat in sein Zimmer zurück. Durch die offene Balkontür hörte er sie atmen, hörte das leise Rascheln von Seide. Er riss die Zimmertür auf, lief den Flur entlang zu ihrer Nummer – sie hatte sie ihm nicht gesagt, aber er wusste es, er hatte sie am ersten Abend auf dem Schlüsselanhänger gesehen. 312. Er klopfte, und sie öffnete sofort, als hätte sie hinter der Tür gestanden.

Das Kleid war jetzt ganz von ihren Schultern gerutscht, hing lose um ihre Hüften, und ihre Brüste lagen frei. Sie nahm seine Hand, zog ihn hinein, schloss die Tür mit einem leisen Klicken. „Ich hab dich beobachtet, weißt du“, sagte sie, dicht vor ihm. „Jeden Abend. Wie du auf dem Balkon standest und rübergestarrt hast. Ich hab gewartet, dass du endlich den Mut fasst.“ Sie ließ seine Hand los, trat einen Schritt zurück und ließ das Kleid zu Boden gleiten. Sie stand nackt vor ihm, nur mit einem Höschen bekleidet, das aus schwarzer Spitze bestand und den Schatten zwischen ihren Beinen kaum verdeckte. „Und jetzt bin ich hier. Nackt. Für dich.“

Er atmete flach, spürte, wie die Erregung in ihm brannte. Seine Hände zitterten, als er sich auszog – Hemd, Hose, Boxer – alles fiel auf den Teppich, und dann stand er vor ihr, so nackt wie sie, der Schatten seines Glieds aufgerichtet zwischen ihnen. Sie sah hinunter, grinste. „Na also. Gefällt mir.“

Sie kam näher, legte die Handflächen auf seine Brust, die Finger leicht gespreizt, und schob ihn rückwärts, bis seine Knie gegen die Bettkante stießen. „Setz dich“, befahl sie, und er gehorchte, ließ sich auf die weiche Decke sinken. Sie blieb stehen, einen halben Meter entfernt, und sah auf ihn herab, die Hände in den Hüften. „Du hast mich angesehen, wie ich mich dir hingegeben hab. Jetzt will ich, dass du zusiehst, wie ich mich auf dich setze.“

Der Ritt

Sie stieg aufs Bett, schwang ein Bein über ihn und setzte sich rittlings auf seine Oberschenkel, ihre Knie seitlich an seinen Hüften. Die Wärme ihres Körpers schlug ihm entgegen, der Duft von Seife und etwas Süßem, das er nicht benennen konnte. Sie nahm sein Glied in die Hand, führte die Eichel an ihren Eingang, wo die Spitze in der schwarzen Spitze ihres Höschens verfing. „Du willst das, oder?“, flüsterte sie, und ihre Augen bohrten sich in seine. „Willst du in mir sein?“

„Ja“, presste er hervor, und sie schob das Höschen zur Seite, ein nasser Schimmer, der kurz aufblitzte, bevor sie sich auf ihn sinken ließ.

Die Enge war überwältigend, heiß und glatt, und er stöhnte auf, als sie ihn ganz umschloss, bis seine Hüften an ihren Schenkeln ruhten. Sie verharrte einen Moment, die Augen geschlossen, und atmete tief aus. Dann begann sie sich zu bewegen, langsam, ein Wellengang aus Auf und Ab, der ihn in eine rhythmische Tiefe zog. Ihre Hände lagen auf seinen Schultern, ihre Brüste tanzten vor seinen Augen, und er griff nach ihren Hüften, um die Bewegung zu führen, aber sie schlug seine Hände weg. „Nur zusehen“, keuchte sie. „Du siehst zu. Das ist deine Aufgabe.“

Sie ritt ihn, während er die Hände auf die Matratze presste und zusah, wie sie sich vor ihm auf und ab bewegte, wie ihre Brüste schwangen, wie ihr Kopf in den Nacken fiel und ihre Kehle ihm den langen, weißen Hals bot. Ihr Atem wurde schneller, ihre Bewegungen ungestümer, und er spürte, wie die Spannung in ihm wuchs, wie der Druck sich aufbaute. Er wollte sie packen, festhalten, in sie stoßen, aber sie ließ es nicht zu. Jedes Mal, wenn er die Hände hob, schüttelte sie den Kopf. „Nein. Sieh mich an. Sieh zu, wie ich komme.“

Ihr Körper begann zu beben, die Muskeln in den Schenkeln spannten sich an, und sie schrie auf, ein kehliger Laut, der in einem langen Stöhnen endete. Um ihn herum zog sie sich zusammen, pulsierte um sein Glied, und das war zu viel. Er hielt dem Druck nicht stand, ließ sich fallen, und sein Orgasmus riss ihn mit, heiß und stoßweise, während sie sich noch immer auf ihm bewegte, bis sie erschöpft auf seiner Brust zusammenbrach.

Der Nachhall

Sie lagen still, ineinander verflochten, ihr Atem vermischte sich in der kühlen Luft des Raums. Die Balkontür stand noch offen, und der Wind trug den Lärm der Stadt herein, aber sie hörten nur sich. Nach einer Weile hob sie den Kopf, die Wangen gerötet, und lächelte. „Und? Immer noch gern zugesehen?“, fragte sie, und ihre Stimme klang heiser.

„Ja“, sagte er, und seine Finger strichen über ihren Rücken. „Und ich würde es wieder tun.“

Sie lachte, rollte von ihm herunter und stand auf. Nackt, ohne Scham, ging sie zum Balkon und lehnte sich gegen die Brüstung. Der Wind umspielte ihren Körper, und sie winkte ihn zu sich. „Dann komm her. Sieh mich an. Sieh zu, wie die Stadt aufwacht.“

Er stand auf, trat zu ihr und legte die Hände auf ihre Hüften, während sie hinausstarrte ins Lichtermeer. Diesmal hielt er sie umschlungen, und sie ließ es zu.

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