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Die Luft nach Regen und Kerosin

Fremde Kurzgeschichten · Lesedauer ca. 11 Min · Ab 18 Jahren

Der Geruch von nassem Asphalt und Kerosin klebt noch in meiner Nase, als die Hoteltür mit einem leisen Klicken ins Schloss fällt. Die Klimaanlage summt ihr monotones Lied, das die Stille des Zimmers nur betont. Ich lasse die Reisetasche fallen, streife die Schuhe ab und setze mich auf die Bettkante. Die Matratze gibt federnd nach. Draußen tropft es von der Markise, ein unregelmäßiger Rhythmus, der mich an den verspäteten Flug erinnert. Stunden im Flughafen, dann die Durchsage: Überbuchung. Kein Zimmer mehr frei. Ich hatte mich schon auf die Couch in der Lobby eingestellt, als er auftauchte.

„Sie auch?“, fragte er, ein müdes, aber echtes Lächeln im Gesicht. Ich nickte. „Ich hab ein Zimmer ergattert – Doppelbett. Wenn Sie wollen, teilen wir uns das. Ich bin Jonas.“ Er streckte die Hand aus. Ich ergriff sie, spürte die trockene Wärme seiner Haut. „Lena.“ Mehr sagte ich nicht. Es war verrückt, einem Fremden zu vertrauen, aber ich war zu erschöpft, um misstrauisch zu sein.

Jetzt sitzen wir uns im Zimmer gegenüber, ein halber Meter Abstand. Er hat das Jackett ausgezogen, darunter ein dunkelblaues Hemd, die Ärmel hochgekrempelt. Seine Unterarme sind schlank, aber sehnig. Er mustert mich nicht, sondern blickt aus dem Fenster, in die nasse Nacht hinaus. Ich beobachte ihn heimlich, wie er das Glas in seinen Händen dreht, die Adern auf seinem Handrücken, die sich leicht abzeichnen. Ein Schauer läuft mir über den Rücken – nicht vor Kälte, sondern vor einer seltsamen Erwartung.

Die Stille zwischen uns

„Ich hol uns was zu trinken“, sagt er und steht auf. Ich höre ihn im Bad hantieren, das Klirren von Gläsern. Als er zurückkommt, reicht er mir ein Glas Wasser. „Keine Minibar, tut mir leid.“ Ich lache leise. „Wasser ist perfekt.“ Wir trinken, schweigen. Das Eis im Glas klirrt, als ich es absetze. Seine Augen sind grau, mit hellen Sprenkeln. Er sieht mich an, hält meinen Blick länger als nötig. Ein Kribbeln breitet sich in meiner Brust aus, warm und beunruhigend. Ich senke den Blick, nippe erneut am Wasser, spüre die Kühle auf meiner Zunge. Der Raum füllt sich mit einer Spannung, die fast greifbar ist.

„Soll ich auf dem Sofa schlafen?“, fragt er und deutet auf die schmale Couch an der Wand. Ich schüttele den Kopf. „Das Bett ist groß genug. Wir sind erwachsen.“ Er nickt, ein dankbarer Zug um seinen Mund. Wir bereiten uns schweigend vor, ich im Bad, er im Zimmer. Ich putze mir die Zähne, betrachte mein Spiegelbild – die geröteten Wangen, die glänzenden Augen. Eine leise Stimme in mir fragt: „Was tust du da?“ Aber eine andere, lautere, schweigt sie. Als ich zurückkomme, hat er das Licht auf die Nachttischlampe reduziert. Er liegt auf der rechten Seite, das Laken bis zur Hüfte gezogen. Ich schlüpfe auf meine Seite, den Stoff meines T-Shirts kühl auf der Haut. Der Duft von seinem Duschgel hängt in der Luft, frisch und leicht holzig.

Die Berührung

Ich liege auf dem Rücken, starre an die Decke. Die Geräusche des Hotels dringen gedämpft herein: ein Fahrstuhl, Schritte auf dem Flur. Sein Atem ist gleichmäßig, aber ich spüre, dass er nicht schläft. Nach einer Weile drehe ich den Kopf. Er liegt auf der Seite, mir zugewandt, die Augen offen. „Kannst du nicht schlafen?“, flüstert er. Ich verneine. Seine Hand tastet sich über das Laken, findet meine. Seine Finger sind warm, sie schließen sich um meine. Ein leichter Druck, dann lässt er los. Aber seine Hand bleibt liegen, die Fingerkuppen streicheln über meinen Handrücken, als ob sie fragen würden. Ein leichter Kribbel läuft meinen Arm hoch, setzt sich in meiner Brust fest. Ich drehe mich zu ihm, spüre den Hauch seines Atems auf meiner Wange. „Jonas“, sage ich, und mein Name klingt in seinem Mund wie eine Frage. „Ja?“, haucht er. Ich beuge mich vor, küsse ihn. Seine Lippen sind weich, einen Moment zögerlich, dann erwidern sie den Kuss. Es ist ein langsamer Kuss, forschend, als würden wir uns kennenlernen durch den Geschmack des anderen. Er schmeckt nach Minze und salzigem Schweiß. Seine Hand gleitet in meinen Nacken, zieht mich näher. Das Laken raschelt, als wir uns bewegen. Ich spüre seinen warmen Körper durch den dünnen Stoff, die Umrisse seiner Schultern, seines Brustkorbs.

Entkleiden

Er setzt sich auf, zieht sein T-Shirt über den Kopf. Im schwachen Licht sehe ich seine Brust, flache Muskeln, eine helle Narbe über dem Schlüsselbein. Ich strecke die Hand aus, berühre sie. Er zuckt kurz, dann entspannt er sich. „Fahrradunfall mit zehn“, murmelt er. Ich lächle, küsse die Stelle. Seine Haut schmeckt nach Salz und Seife. Er hilft mir aus meinem T-Shirt, sein Blick wandert über meinen Körper, ohne zu gaffen. Seine Finger streichen über meine Schulter, den Ansatz meines Halses, hinterlassen eine Gänsehaut. Ich schließe die Augen, genieße die leichte, forschende Berührung. Sein Daumen zeichnet die Linie meines Schlüsselbeins nach, dann wandert er tiefer, umspielt den Rand meines BHs.

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Mein BH ist schnell geöffnet, fällt zur Seite. Er beugt sich vor, nimmt eine Brustwarze in den Mund. Ein Schwall von Wärme durchflutet mich, ich atme scharf ein. Seine Zunge umkreist die Spitze, erst sanft, dann fordernder. Ich vergrabe meine Finger in seinem Haar, drücke ihn fester an mich. Seine Hand wandert an meinem Bauch abwärts, über den Bund meiner Shorts. Er zögert, sieht mich fragend an. Ich nicke, ein stummes Ja. Er öffnet den Knopf, schiebt den Stoff über meine Hüften. Ich hebe das Becken, helfe ihm. Nun liege ich nackt vor ihm, nur das Laken unter mir. Sein Blick wandert über meinen Körper, und ich fühle mich nackter, als ich je war – verletzlich, aber auch mächtig in diesem Moment. „Du bist wunderschön“, flüstert er, und ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus.

Die Erkundung

Seine Lippen wandern meinen Körper hinab, über den Bauchnabel, die Innenseiten der Oberschenkel. Überall hinterlässt er feuchte Küsse, die meine Haut zum Leuchten bringen. Ich zittere unter seinen Berührungen, meine Hände krampfen sich in das Laken. Er spreizt meine Beine sanft, und ich spüre seinen Atem dicht an meiner Mitte. Dann seine Zunge, ein erstes, zartes Streichen. Ich presse den Kopf in das Kissen, unterdrücke einen Laut. Er arbeitet sich vor, findet den Knoten, der mich verkrampft, und löst ihn mit kleinen Kreisen. Meine Hüften heben sich unwillkürlich, ich wünsche mir mehr Druck, mehr von ihm. Als ob er mich hört, saugt er fester, und ich explodiere fast unter seiner Zunge, ein erstes, kleines Beben, das durch mich läuft. Er hält nicht inne, sondern streicht weiter, taucht tiefer ein in die Hitze zwischen meinen Schenkeln. Ein zweites Beben kündigt sich an, kräftiger als das erste, als er einen Finger in mich gleiten lässt, langsam, während seine Zunge weiterarbeitet. Die Kombination aus innerer Fülle und äußerer Stimulation treibt mich höher. Ich keuche, greife nach seinem Kopf, dränge ihn noch näher. Mein Becken bewegt sich gegen seinen Mund, und mit einem erstickten Schrei komme ich erneut, diesmal heftiger, meine Muskeln ziehen sich um seinen Finger zusammen.

„Nicht schon“, keuche ich, und er lacht leise, ein feuchtes Geräusch. „Das war nur der Anfang“, sagt er. Er richtet sich auf, kniet zwischen meinen Beinen. Seine Boxershorts sind prall gefüllt. Ich greife nach dem Bund, ziehe ihn hinunter. Sein Glied springt frei, lang und gerade, die Spitze feucht. Ich umfasse ihn, fühle die Wärme, die Pulsadern unter der Haut. Er stöhnt leise, als ich ihn streichle, erst zögerlich, dann fester. Seine Hände umfassen meine Brüste, seine Daumen reiben über die Nippel. Ein Kreislauf der Lust, der uns verbindet. Ich gleite mit einer Hand an seinem Schaft entlang, spüre, wie er unter meiner Berührung zuckt. Sein Atem geht schneller, sein Becken drückt gegen meine Hand. „Lena“, keucht er, „wenn du so weitermachst, ist es gleich vorbei.“ Ich lächle, lasse mit einer letzten, sanften Berührung los und lege mich zurück.

Die Vereinigung

Er beugt sich über mich, sein Körper ein Zelt über meinem. Ich spüre seine Spitze an meinem Eingang, ein leichtes Drücken. „Bist du sicher?“, fragt er, die Stimme rau. Ich antworte, indem ich mein Becken gegen ihn drücke. Er gleitet hinein, langsam, Zoll für Zoll. Die Dehnung ist süß, das Gefühl der Fülle überwältigend. Ich schließe die Augen, konzentriere mich auf den Ort, wo wir eins werden. Seine Stirn liegt an meiner, sein Atem stoßweise. Er bleibt still, gibt mir Zeit, mich an seine Größe zu gewöhnen. Dann beginnt er sich zu bewegen, ein Rhythmus, der aus dem Becken kommt, wellenartig. Jeder Stoß treibt mich höher. Ich wickle meine Beine um seine Hüften, ziehe ihn tiefer in mich. Seine Hand findet meine, verschränkt die Finger über meinem Kopf. Das Laken ist feucht unter mir, mein Körper ein einziger, gespannter Bogen. Er verändert den Winkel, trifft einen Punkt tief in mir, der mich aufstöhnen lässt. „Da“, presse ich hervor, und er zielt genau dort hin, immer wieder. Die Anspannung wächst, wird zu einem Knoten, der sich zusammenzieht. Ich beiße mir auf die Lippen, kämpfe gegen die Explosion an, aber sie ist stärker. Sie bricht aus mir heraus, ein Schrei, den ich nicht unterdrücken kann, und mein Inneres pulsiert um ihn herum. Er stöhnt, stößt noch einmal tief, und ich spüre, wie er in mir kommt, heiße Stöße, die mich erzittern lassen. Sein Körper spannt sich an, zittert, und dann sinkt er schwer auf mich herab.

Eine Weile liegen wir so, ineinander verschlungen, sein Gewicht warm, sein Herzschlag wild gegen meines. Ich spiele mit den feuchten Haarsträhnen an seinem Nacken, streiche über seinen Rücken. Er küsst meine Schulter, haucht leise Worte, die ich nicht ganz verstehe, aber deren Bedeutung mir klar ist.

Der Nachklang

Wir liegen ineinander, verschweißt, unsere Körper feucht und zitternd. Er küsst meine Schulter, meine Stirn. „Okay?“, fragt er. Ich nicke, unfähig zu sprechen. Sein Gewicht ist warm und schwer auf mir. Nach einer Weile rollt er sich zur Seite, zieht mich in die Kurve seines Körpers. Sein Arm liegt unter meinem Kopf, sein Atem bewegt mein Haar. Draußen hat der Regen aufgehört. Die Stille ist anders jetzt, erfüllt. Ich schmiege mich enger an ihn, spüre die Wärme seines Körpers, die leichte Feuchtigkeit auf seiner Haut. Seine Hand fährt langsam meinen Rücken entlang, eine träge, liebkosende Bewegung. „Das war …“, beginne ich, aber er legt mir einen Finger auf die Lippen. „Weiß ich“, murmelt er. Wir schweigen, und das Schweigen ist beredter als jedes Wort.

Irgendwann schlafe ich ein, ohne zu wissen, wie. Als ich aufwache, ist es noch dunkel. Sein Atem ist tief und ruhig. Ich löse mich vorsichtig, sehe auf das Display meines Handys: 4:17 Uhr. In ein paar Stunden muss ich zum Flughafen. Ich lege meinen Kopf wieder an seine Schulter, schließe die Augen. Wir werden uns nie wiedersehen. Aber das ist in Ordnung. Diese Nacht gehört uns, dem Geruch von Regen und dem Versprechen von Haut auf Haut. Ich atme seinen Duft ein, ein letztes Mal, und lasse mich in den Schlaf sinken, während sein Arm mich hält, als gehörte ich hierher.

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